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Ai Weiweis Papercuts - Ein limitiertes Portfolio über sein Leben und Werk

Ai Weiweis
Papercuts

Ein limitiertes Portfolio über sein Leben und Werk

Main SR only Anker

Ai Weiwei. The Papercut Portfolio

Edition von 250 Exemplaren
US$ 18.500
Preisänderungen vorbehalten.
Diese Ausgabe ist ausverkauft. Gelegentlich sind jedoch einzelne Exemplare erneut erhältlich. Möchten Sie auf die Warteliste gesetzt werden, tragen Sie sich bitte hier ein.
Der Scherenschnitt ist eine alte chinesische Kunstform, die 2.000 Jahre zurückreicht. Als traditionelles Medium der bildlichen Erzählung dienen die farbigen, teils aufwendig geschnittenen Blätter der festlichen oder alltäglichen Dekoration.

In diesem exklusiv für TASCHEN kreierten, limitierten Portfolio bedient sich Ai Weiwei der traditionellen chinesischen Kunst des Scherenschnitts zur Reflexion über sein bisheriges Leben und Werk. Jedes der acht großformatigen Blätter ist aus hochwertigem, rot eingefärbtem Fine-Art-Papier gefertigt und von Ai Weiwei signiert. Ergänzt wird die Arbeit durch ausführliche Erläuterungen von Chin-Chin Yap, die seit Jahren intensiv mit Ai zusammenarbeitet, zuletzt als Autorin und Koproduzentin mehrerer seiner Filme. Mit den acht Blättern des Papercut Portfolios präsentiert Ai Weiwei seinen ganz persönlichen Rückblick in einem außergewöhnlichen Format.

Collector's Edition, 250 Exemplare. Das Portfolio enthält acht jeweils von Ai Weiwei signierte Scherenschnitte.

Die Scherenschnitte:

New York
Als Maler war Ai Weiwei Mitglied der einflussreichen Pekinger Künstlergruppe der Stars. Während seiner New Yorker Zeit (1982 bis 1993) entwickelte er sich zu einem Konzeptkünstler, erweiterte seine Arbeit um fotografische Praktiken und verwandelte gefundene Objekte in surreale Skulpturen. Rund umrahmt von der Skyline Manhattans zeigt dieser Scherenschnitt einige seiner frühen New Yorker Arbeiten, darunter Three Clothes Hangers as a Star (1983) und Safe Sex (1986), einen Regenmantel, den Ai mit einem Ring perforierte, durch den ein Kondom heraushing, „weil damals alle eine solche Angst vor AIDS hatten”.

Cats and Dogs
Dieses Motiv betrifft eine entscheidende Phase in Ais Werk – die Zeit nach seinem elfjährigen New-York-Aufenthalt und der Rückkehr nach China 1993 bis zum Bau seines Caochangdi-Wohnhauses und -Ateliers am Stadtrand von Peking im Jahr 1999. Wir sehen seinen ausgestreckten Mittelfinger, den er der Verbotenen Stadt zeigt, das erste Werk seiner Studies of Perspective, bei denen er auf diese Weise globale Sehenswürdigkeiten „vermaß”. Das Wort „FUCK”, ein weiteres bekanntes Motiv aus Ai Weiweis Peking-Jahren, war als riesiges Neonschild in seinem Ateliergarten aufgestellt, und Neolithische Vasen mit Coca-Cola-Schriftzug aus der Serie Han Dynasty Urn with Coca-Cola Logo (1994) stehen auf Tischen der Ming- und Qing-Dynastien. Alle Arbeiten werden so gezeigt, wie sie im Atelier zu sehen wären: umgeben von Tieren, vor allem Hunden und unzähligen Katzen, die sich frei auf dem Gelände bewegen.

Map of China
Ai stellt hier seine Holzskulptur Map of China vor, seine Arbeiten aus Fahrrädern und Kronleuchtern, in leuchtende Industriefarben getauchte, neolithische Vasen sowie das Pekinger Olympiastadion, das er für die Spiele 2008 mit den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfen hat. Die Stahl- und Kristallskulptur Fountain of Light (2007), links im Bild, basiert auf Vladimir Tatlins nicht realisiertem Denkmal für die Dritte Internationale (1919–20) und verweist zugleich auf die Kronleuchter, die sich während des wirtschaftlichen Aufschwungs in chinesischen Hotels und Bankettsälen als Symbole für Exzess und Luxus vermehrten. Map of China (2003), in der Mitte rechts, wurde aus dem Holz eines alten, zum Abriss stehenden Tempels gefertigt. Man meint in den Konturen die Grenzen der Provinzen zu erkennen, aber sie folgen einer rein praktischen Logik: „Die Leute fragen mich oft, ob es eine politische Bedeutung hat”, sagt Ai, „aber die Hauptschwierigkeit lag einfach darin, 100 Teile fest und präzise zusammenzusetzen. Die Karte ist nur die Form davon.”

Furniture
Antikes Holz ist eins von Ais typischen Ausgangsmaterialien. Er transformiert die traditionellen Objekte in neue, surreale Formen, nimmt ihnen damit ihre ursprüngliche Funktion und verleiht ihnen zugleich eine neue Identität. Fragments (2005), zu sehen im oberen Drittel des Scherenschnitts, setzt sich aus Balken, Säulen und Möbeln aus der Qing-Dynastie zusammen. „Es gibt keinen rationalen Grund, irgendeines dieser Stücke mit einem anderen zu verbinden”, betont Ai, „aber von oben betrachtet, ergibt es die Karte von China.” In Through (2007–08), zu sehen im unteren Drittel des Blattes, einer anderen massiven Installation aus alten Tischen und Tempelbalken, prallen Überbleibsel der Ming- und Qing-Dynastien aufeinander. „Wenn sie aufeinandertreffen oder zusammengefügt werden”, sagt Ai, „kommt am Ende eine gut geplante Katastrophe oder eine Ruine heraus.” Dazu gibt es weitere Verweise auf Ais traubenartige Ansammlungen zusammengefügter Holzhocker sowie, rechts im Bild, die polygonale Konstruktion Divina Proportione, die sich auf eine Skizze der göttlichen Proportionen von Leonardo da Vinci bezieht.

Haircut
Hier reflektiert Ai Weiwei seinen Beitrag für die documenta XII in Kassel (2007), als er 1.001 chinesischen Landsleuten, die ihr Land noch nie verlassen hatten, eine Reise in die deutsche Stadt ermöglichte. Für diese Arbeit (Fairytale) wählte er Menschen aus allen Lebensbereichen aus, gestaltete ihre Kleidung, ihre Koffer und – wie hier zu sehen – auch die Haare. Die Teilnehmer konnten sich frei bewegen und tun, was sie wollten, solange sie die Stadt nicht verließen, um damit sowohl Betrachter als auch Teil eines Kunstwerks zu sein. Ebenfalls zu sehen ist die monumentale Außeninstallation Template, konstruiert aus Holztüren und Fenstern von abgerissenen Gebäuden aus den Ming- und Qing-Dynastien, die nur wenige Tage nach Eröffnung der documenta bei einem Gewitter in sich zusammenfiel. „Das Werk war nicht auf das deutsche Wetter und den Wind vorbereitet”, sagte Ai. „Ich sah, wie die Anlage einstürzte – oder besser gesagt: eine andere Gestalt annahm – und dachte: Jetzt ist sie wirklich eine Ruine. Sie ist aus Ruinen gebaut und jetzt ist sie selber eine.”

Citizens' Investigation
Am 12. Mai 2008 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,9 die chinesische Provinz Sichuan. Die Zahl der Toten lag bei fast 70.000, darunter Tausende von Schulkindern. Die Komposition zeigt Menschen inmitten der Trümmer: eine Frau, die ein Bild von ihrem vermissten Kind hochhält, Helfer und Ermittler auf der Suche nach Opfern und Überlebenden. Als die chinesische Regierung Informationen über die Identität der Opfer zurückhielt, organisierte Ai ein Team von Freiwilligen, das den Fall untersuchte und eine Liste der verstorbenen Kinder zusammenstellte – ein Projekt, das als Citizens’ Investigation bekannt wurde. Es stellte sich heraus, dass viele Schulen aufgrund von Korruption gegen die offiziellen Sicherheitsstandards verstoßen hatten und deshalb eine Mitschuld am Tod vieler Kinder trugen. Im Jahr 2009 trat Ai Weiwei als Zeuge für Tan Zuoren auf, einen Aktivisten und Schriftsteller, der das Erdbeben ebenfalls in Hinblick auf Korruptionsfragen untersucht hatte. In der Nacht vor dem Prozess wurden Ai und seine Mitarbeiter in ihren Hotelzimmern von der Polizei angegriffen und bis Prozessende festgehalten. Das Bild in der Mitte basiert auf einem Foto, das Ai von sich und seinen Kollegen unmittelbar nach dem Anschlag im Aufzug gemacht hat. Bei dem Übergriff erlitt Ai eine Gehirnblutung, die in den CAT-Scans am unteren Rand der Zusammensetzung dokumentiert ist.

River Crabs
Im Jahr 2008 boten die Shanghaier Behörden Ai Weiwei den Bau eines Ateliers an, um den kulturellen Sektor der Stadt zu stärken. Das Gebäude, hier im Zentrum der Komposition, wurde 2010 fertiggestellt. Als Reaktion auf sein politisches Engagement informierten ihn die Behörden nur wenige Monate später, dass sein Atelier gegen das Baurecht verstoße und demnächst abgerissen werde. Im November lud Ai offen zu einer einwöchigen „crab party” („Krabbenparty”) in das zum Abbruch bestimmte Gebäude ein, an der 3.000 Anhänger teilnahmen, was die Party zu einem zentralen Ereignis des zivilen Ungehorsams machte. In der Folge sahen sich Ai und sein engstes Umfeld regelmäßigen staatlichen Schikanen ausgesetzt, was sich in Arbeiten wie Surveillance Camera (2010), Video Recorder (2010), Handcuffs (2012) oder Marble Helmet (2010) niederschlug. Das Wort für Flusskrabben, He Xie, ist ein Synonym für „Harmonisierung” im Sinne der Unterdrückung abweichender Meinungen durch staatliche Politik. Die an den Rändern zu sehenden Krabben verweisen auf Ais künstlerischen Kommentar zu dieser Angelegenheit, den er in Form kleiner Porzellankrabben formulierte. Das Atelier wurde in der Nacht zum 4. Februar 2011 zum Einsturz gebracht. Eingerahmt wird die Komposition von den Sunflower Seeds, die Berühmtheit erlangten, als 100 Millionen dieser einzeln aus Porzellan hergestellten Sonnenblumenkerne bei Ais Ausstellung in der Londoner Tate-Galerie den Boden der Turbinenhalle bedeckten (2010).

Zodiac
Der vom italienischen Jesuiten Giuseppe Castiglione für den Hof des Kaisers Qianlong (1711–1799) entworfene Zodiac-Wasserbrunnen war berühmt für seine kostbaren Bronzeskulpturen der zwölf Tiere des chinesischen Tierkreises. Der Brunnen wurde zerstört, als britische und französische Truppen während des zweiten Opiumkrieges 1860 den Palast plünderten und Ruinen hinterließen, die in einem öffentlichen Park bis heute erhalten sind. Von den Tierköpfen existieren noch sieben, die meisten davon in westlichen Sammlungen. Für seine Installation Circle of Animals / Zodiac Heads, die unter anderem in New York und Los Angeles zu sehen war, reproduzierte Ai Weiwei die zwölf Köpfe in Bronze und Gold. Die fünf verlorenen Häupter (Drache, Schlange, Widder, Hahn und Hund) entwarf er neu und stellt damit Fragen nach Authentizität und kultureller Aneignung. „Sind sie wirklich verloren, oder im Auktionshaus?” fragt Ai nach dem Verbleib der Originale. „Vielleicht tauchen die fehlenden Tierkreisköpfe ja im nächsten Jahr auf. Mal sehen, wie sie dann im Vergleich mit unserer Version abschneiden.”

Der Künstler

Ai Weiwei, geboren 1957 in Peking, ist bekannt für seine klaren künstlerischen Aussagen zu drängenden geopolitischen Fragen unserer Zeit. Von Skulpturen und Installationen über Architektur bis hin zu Dokumentationen und Social Media nutzt er eine Vielzahl von Medien, um die Gesellschaft und ihre Werte auf immer neue künstlerische Weise zu hinterfragen. Er ist Träger des von Amnesty International vergebenen Ambassador of Conscience Awards 2015 und des Václav-Havel-Preises für kreativen Dissens der Human Rights Foundation 2012. Ais abendfüllender Dokumentarfilm Human Flow feierte Premiere im Wettbewerb der 74. Filmfestspiele in Venedig. Derzeit lebt und arbeitet er in Cambridge und Berlin.