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Der Superheld im Raumfahrtzeitalter

Ein Exklusivinterview mit Neal Adams, geführt von Paul Levitz

Foto aus dem Jahresbericht von National Periodical, 1964. „Die Gruppe von Jugendlichen, die hier vor dem farbenfrohen Hintergrund [des Gebäudes] der Vereinten Nationen sitzt, symbolisiert die weltweite Attraktivität der Unterhaltungsmagazine, die von National Periodical veröffentlicht werden. … Kinder geben dafür in 48 Ländern Pennys, Pence, Centavos, Drachmen, Pfennige, Lire, Rupien, Finnmark, Cruzeiros und Dinare aus.“ – Jack Liebowitz, im Bericht des Vorstandsvorsitzenden aus dem Jahresbericht 1964 von National Periodical
Foto aus dem Jahresbericht von National Periodical, 1964. „Die Gruppe von Jugendlichen, die hier vor dem farbenfrohen Hintergrund [des Gebäudes] der Vereinten Nationen sitzt, symbolisiert die weltweite Attraktivität der Unterhaltungsmagazine, die von National Periodical veröffentlicht werden. … Kinder geben dafür in 48 Ländern Pennys, Pence, Centavos, Drachmen, Pfennige, Lire, Rupien, Finnmark, Cruzeiros und Dinare aus.“ – Jack Liebowitz, im Bericht des Vorstandsvorsitzenden aus dem Jahresbericht 1964 von National Periodical
Neal Adams
Neal Adams
Neal Adams veränderte im Laufe seiner legendären Karriere Comics, indem er den Einfluss der dynamischen Illustration stärkte. Als Zeichner von Heften, die Batman aus der Ära der übertriebenen Theatralik herausführten, legte er den Stil des Detektivs und „Dunklen Ritters“ für eine ganze Generation von Zeichnern und Filmemachern fest. In seinen Comics Green Lantern/Green Arrow, die er mit Texter Denny O’Neil schuf, ergänzte er gesellschaftlich relevante Themen durch visuelle Dramatik, und er setzte sich unermüdlich für die Rechte der Künstler und Autoren ein.

Am 6. Januar 2012 traf sich Paul Levitz mit Neal Adams in dessen Atelier, Continuity Associates, zu diesem Exklusivinterview. Das Continuity-Atelier ist einer der sagenumwobenen Orte der Comic- Geschichte, dank der Unzahl von Talenten, die hier entdeckt wurden, dank der unglaublich legeren Arbeitsatmosphäre und dank seines legendären Eigentümers, dessen Arbeit von den Comics ausgehend die Werbung und die Neuen Medien eroberte und der kürzlich wieder zu jenen Bildseiten zurückkehrte, die er so liebt.

Sie waren so viel jünger als all Ihre Kollegen, als Sie bei DC anfingen.
Ich war so viel jünger als alle Menschen auf der Erde. Ich hatte von Leuten wie Joe Kubert gehört, die sehr jung begonnen hatten, aber als ich anfing, waren die alle längst erwachsen geworden. Ich begann mit 18 Comics und andere Kunst zu zeichnen, praktisch als ich aus der High School kam.

Wie war der Einstieg in die Comic-Branche 1960?
Ich ging zu den Werbe-Comics, weil die Tür zu den Comicheften verschlossen war. Der einzige Grund, weshalb ich bei Archie Comics anfing, war, dass ich versuchte, meine Arbeiten Jack Kirby oder Joe Simon zu zeigen, aber sie waren nicht da. Ich fertigte Arbeitsproben an, brachte sie vorbei und versuchte, Jack oder Joe zu treffen, aber sie waren wieder nicht da. Ich tat das dreimal, und schließlich verband man mich telefonisch mit Joe: „Junge, ich hab deine Arbeit gesehen. Das Zeug ist gut. Ich muss dir sagen, ich würde dich nehmen, aber ich tu dir den größtmöglichen Gefallen, und du wirst es nicht als Gefallen sehen, aber du musst dir einen Job in der Werbung suchen. Später wirst du mir dafür dankbar sein. Ich erteile dir eine Absage. Tut mir leid.“ Ich sagte: „Danke, Mr. Simon“ und legte auf. Victor Gorelick, der dabei war, sah die Tragödie in meinen Augen, und sagte: „Möchtest du vielleicht Archie-Comics machen?“ „Ja, ich mache alles!“ Und so begann ich, Archie-Comics zu schreiben und zu zeichnen. Ich machte Werbe-Comics für die Werbeagentur Johnstone and Cushing sowie Storyboards. Ich zeichnete dreieinhalb Jahre lang den Zeitungsstrip Ben Casey für den Syndikationsvertrieb. Als ich den Strip aufgab, überlegte ich, zu DC Comics zu gehen, aber der Gedanke, Kerle in Strumpfhosen zu zeichnen, schreckte mich ab.

Wenn nicht DC, wo dann?
Ich ging zu Warren, die mit Archie Goodwin aufgemacht hatten, einem total netten Typen. Ich steckte so viel Arbeit in meine Warren-Aufträge… Jeder einzelne wurde in einer anderen Technik und in einem anderen Stil umgesetzt. Man sieht, dass jeder in eine vollkommen andere Richtung geht, als hätte ich mich in einen anderen Zeichner verwandelt. Eine wunderbare Lebensweise, aber nicht so gut als Lebensunterhalt.

Sie blieben nicht lange bei Warren. Was kam als Nächstes?
Ich traf mich mit diesem Typen, Kanigher, bei DC und begann, Kriegsgeschichten zu zeichnen, was ich immer schon tun wollte. Als ich Teenager war, waren die besten Zeichner der Branche Heath, Kubert und Drucker, die wundervolle Kriegsgeschichten gezeichnet hatten. Hier hatte ich meine Chance, all diese Stile zusammenzuwerfen, um selbst Kriegsgeschichten zu zeichnen. Und am Schreibtisch gegenüber von Kanigher saß Julie Schwartz – der bärbeißige, brummige, griesgrämige Julie Schwartz … Ich kann nicht sagen, woran es lag, dass Julie mir etwas gab, was mir niemand anderes im Büro gegeben hätte: Er bot mir eine Geschichte für Elongated Man an – eine Superheldengeschichte. Das war sehr riskant, aber es war erst ganz am Anfang, als Marvel begann, etwas zu machen. Es lag in der Luft, dass DC etwas tun sollte. Julie war der Erste, indem er mich diese Elongated-Man-Story zeichnen ließ. Er gab mir noch andere Geschichten, z. B. Spectre.

Und dann kam Deadman…
Die Sache mit Deadman war, dass Arnold Drake die Reihe begonnen hatte. Arnold fiel immer wieder in Ungnade bei DC und konn- te sich dann rehabilitieren. Er wollte eine Gewerkschaft aufmachen… Wenn ich davon gewusst hätte und sie zu mir gekommen wären, dann hätte ich das Problem vermutlich gelöst, weil ich auf politische Art sehr apolitisch bin. Ich mach’s auf freundliche Art … diplomatisch… „Wir müssen das jetzt nicht klären, es ist gut… Trinken wir einen Kaffee.“ Ich bin kein Drängler, aber ich habe mehr Ausdauer als die meisten Menschen.

Sie übernahmen Deadman, als Carmine Infantino als künstlerischer Leiter in die Redaktion wechselte und im Unternehmen Änderungen vornahm. Deadman war für Sie noch mehr als Spectre ein Spielfeld für Experimente, auf dem Sie durch eine neuartige Komposition von Bildern und Seiten alle bisherigen DC-Regeln brachen.
Wenn man diese Dinge einzeln betrachtet, dann sind sie interessant. Wenn man aber Deadman als Ganzes betrachtet, dann wird es zu einer einzigen Geschichte: einzelne Abenteuer, die eine Geschichte ergeben. So wurde sie zum illustrierten Roman, einer langen Erzählform, das war für Comic-Hefte zur damaligen Zeit nicht üblich. Sie überließen mir ein Zimmer, und ich stellte einen Projektor hinein. Dann kamen Typen herein, gingen an der Eingangstür vorbei, und ich verteilte sie an verschiedene Redakteure: „Julie, das ist Bernie Wrightson. Er ist ein guter Zeichner.“ „Ich habe alle, die ich brauche.“ Ich gehe runter, Joe Orlando wird eingestellt, und ich stelle ihm Bernie vor.

Was Sie hier beschreiben, wo Sie Dick und Joe erwähnen, ist doch, dass sich DC zu einem Verlag wandelte, in dem die Künstler das Sagen haben … von Carmine Infantino bis zu Kubert, Dick und Orlando.
Ich sehe Julie nicht als Autor, sondern als Redakteur. Dick kam als Redakteur. Bei Charlton zeichnete er nicht wirklich viel. Bei Charlton beherrschte er das ganze Unternehmen. Als Carmine Joe Orlando hereinbrachte, sah ich darin nur einen Italiener, der einen anderen Italiener einstellte; sobald ich ein paar Gespräche mit Joe geführt hatte, wusste ich, dass er redaktionsorientiert dachte. Er war nicht am Zeichnen interessiert. Aus alten EC-Tagen wusste er noch, wie man Künstler findet, sie erkennt, denn er konnte zeichnen, aber er wollte als Redakteur arbeiten. Was passierte, war, dass sich DC veränderte – durch meinen, aber auch Carmines Einfluss. Carmine suchte nach Talenten, aber die Talente, die ich für DC Comics fand, schufen ungeheure Kunstwerke. Ich brachte junge Künstler zu DC. Einige gingen zu Marvel. Auch im redaktionellen Bereich bildete sich eine Clique von Leuten, die sich in der Kunst und im Schreiben auskannten. Wir waren alle Teil der gleichen Gruppe, und Carmine war dafür verantwortlich.

Hatte das damit zu tun, dass die Verkaufszahlen bei Marvel Mitte der sechziger Jahre stiegen?
Die Herausforderung kam von Marvel. Was Kirby tat, war, Stan Lees sechsseitige Horrorgeschichten zu nehmen und sie auf Heftlänge zu strecken. Das ist der Unterschied zwischen DC- und Marvel-Comics: Alle Figuren bei DC waren aufgrund ihrer Geschichte Amerikaner wie aus dem Ei gepellt – sie strahlten, hatten gute Arbeitsplätze und geheime Identitäten. Bei Marvel überzeugte Jack Kirby Stan Lee von den vier Figuren, die ins Weltall fliegen, von kosmischen Strahlen bombardiert werden und als Monster zurückkehren – machen wir die Monster zu Helden! Alle Marvel-Stars waren im Grunde Monster, die zu Superhelden wurden. Bei DC hatten wir Helden mit Goldzähnen: Testpilot, Laborwissenschaftler. Das ist noch immer der Unterschied zwischen den Verlagen. Wenn die Menschen über Spider-Man und seine Persönlichkeitsprobleme reden, dann ist das Teil der Monsterseite des Superheldengenres, im Gegensatz zu DC. Batman ist bei DC derjenige, der den Marvel-Figuren am nächsten kommt.

Wovon träumten Sie, als Sie bei DC hereinspazierten?
Ich wollte rauskommen, eine Weile Comichefte zeichnen, bis ich einen Weg finden würde, Illustrationsarbeit zu machen und dann auszusteigen. Ich hatte kein Interesse daran, Comics zu machen – sie waren ein Schritt abwärts. Entweder bekäme ich einen neuen Zeitungsstrip, oder ich würde Illustrator. Ich hatte eine Mappe – ich brauchte sechs Monate, sie zusammenzustellen. Ich ließ sie in einer Werbeagentur, und als ich sie wieder abholen wollte, war sie verschwunden. Sechs Monate Arbeit! Also machte ich Comics, etwas Werbung, versorgte meine Familie. Dann geschah etwas. Ich weiß nicht, wann es passierte, wie es passierte, aber ich verliebte mich einfach in Comichefte. Ich hatte nicht damit gerechnet. Die künstlerische Freiheit, eine ganze Seite zu gestalten, Dinge mit einer ganzen Seite anzustellen, mich auszudrücken, zu schreiben, zu zeichnen, Geschichten zu erfinden – das riss mich total mit. Ich verliebte mich, völlig unerwartet und gegen meinen Willen. Als Kind mochte ich es, aber ich hatte eine Karriere, um die ich mich kümmern musste, eine Familie, für die ich verantwortlich war – und ich verliebte mich in die Comics. Und es macht mir heute mehr Spaß als je zuvor.

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