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Der Streisand-Touch

Von Patt Morrison

Wie oft mag Barbra Streisand im Lauf ihrer Karriere wohl fotografiert worden sein?

Tausendmal? Zehntausendmal? Und jedes Foto davon erfasst doch nur einen Moment ihres schillernden Lebens. Es gibt jedoch eine Aufnahme, die einige der Wesensmerkmale besonders gut einfängt, die für Streisand so charakteristisch sind. Auf ihr sehen wir nicht die 1980er-Jahre-Babs mit dem typischen kugelrunden Lockenkopf und auch nicht die Barbra des 21. Jahrhunderts mit langer, gepflegter Pagenfrisur. Nein, Steve Schapiros Foto zeigt das halb im Dunkeln liegende Gesicht der jungen Naiven, dem ins Unbestimmte gerichteten Blick einer Wahrsagerin und der Nase eines römischen Imperators, der der Welt seinen Willen aufzwingen will. Welche Wandlung Barbra Streisand in Hollywood durchlebte, verraten uns auch Lawrence Schillers Kamera und sein scharfes Auge. Was er und Schapiro über Jahrzehnte hinweg in ihren Bildern einfingen, waren die großen Kameramomente dieser Welt und eine Streisand, die rätselhaft ist, unnahbar, überschwänglich, nachdenklich und, ab und an, einfach nur ein glückliches Mädchen aus Brooklyn.

Stars kommen und gehen. Wer für die eine Generation noch total angesagt ist, ist für die nächste schon abgemeldet. Zeit und äußere Umstände, Glück und Willenskraft haben Barbra Streisand geholfen, alle Widrigkeiten und Wechselfälle des Lebens unbeschadet zu überstehen. Sollte Mary Pickford, der Welt erster Filmstar, die Oscarverleihung 1969 im Fernsehen verfolgt haben, dürfte sie Riechsalz benötigt haben, als Streisand ihren Oscar in einem witzigen, gewagten Paillettenanzug von Scaasi entgegennahm – das erste Mal überhaupt, dass eine Oscargewinnerin die Bühne in Hosen betrat. Die Botschaft an Hollywood war unmissverständlich: Ich mache alles so, wie es mir passt! Diese Nase korrigieren lassen? Kein Gedanke. Streisand hatte vielleicht gar nicht die Absicht, Frauen mit kleinem „Makel“ zu ermutigen, ebenso selbstbewusst aufzutreten wie die Covermodels auf den Modemagazinen, doch genau das bewirkte sie. Ihr Gesicht war ihr Kapital, und zwar exakt so, wie es war. Und die spitzen Zungen Hollywoods? Sollten nur kommen. Weil Barbra immer geradeheraus war, anstatt bieder und brav zu sein, machte sie sich natürlich zum Ziel von Spott und Sticheleien. Was dachten sich die Hollywoodbosse angesichts dieser Diva aus Brooklyn, die Filme nur zu ihren Bedingungen drehen wollte? Sie wunderten sich, was aus dem bescheidenen „Funny Girl“ geworden war, das Screwballkomödien drehte und lieber über sich selbst lachte, bevor andere es tun konnten. Damals wie heute wurden männliche Tugenden bei Frauen als Manko angesehen. „Warum eigentlich“, hat sich Barbra oft gefragt, „dürfen Männer von ihrer Arbeit besessen sein, aber Frauen nur von Männern?“ ...

50 Jahre sind vergangen, seit Funny Girl Broadway-Premiere feierte und Barbra Streisand es innerhalb von drei Wochen auf die Titelseiten von Time und Life brachte. In einer Premierenkritik war unter ihrem Foto zu lesen: „Barbra Streisand verkörpert einen Star.“ Dieses Verb traf ungefähr genau so lange zu, wie die Druckerschwärze der Schlagzeile zum Trocknen brauchte. Von diesem Moment an war sie ein Star – und ist es bis heute.