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In New York mit John und Yoko

Yoko Ono und John Lennon fotografiert von Kishin Shinoyama

Die Ballade von Yoko und Kishin

Jesse Dylan im Gespräch mit Yoko Ono und Kishin Shinoyama


Kishin Shinoyama ist einer der bedeutendsten Fotokünstler Japans. Seit seiner Auszeichnung mit dem in Japan sehr angesehenen Preis für den „Most Promising Young Photographer“ (Vielversprechendster Nachwuchsfotograf) im Jahr 1966 – er war damals 26 Jahre alt – veröffentlichte Shinoyama eine erstaunliche Anzahl an Fotobüchern und Monografien, meist mit den für ihn typischen Aktbildern von Frauen und Männern. Seine lyrischen wie sinnlichen und dabei provokativen Bilder wurden von der Kritik gelobt, aber auch für ihre Anstößigkeit attackiert und haben Shinoyama zu einem der umstrittensten und zugleich angesehensten Künstler Japans gemacht. Obgleich viele seiner Fotografien Berühmtheiten und Popstars zeigen, beweist Shinoyama eine bemerkenswerte Leichtigkeit im Umgang mit den Porträtierten. In seinem Werk fängt er kostbare intime Momente von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein, die, durch seine Linse betrachtet, eine unerwartete Offenheit und Verwundbarkeit an den Tag legen. Seine Fähigkeit, Nähe auch dann zu erzeugen, wenn er die Berühmten und oft Fotografierten ablichtet, verleiht seinen Bildern die Anmutung von Familienschnappschüssen, als wären es ganz private Momente ohne Selbstdarstellung oder Befangenheit. Diese Redlichkeit zeigt sich vielleicht am deutlichsten in der Serie von Fotografien, die Shinoyama von Yoko Ono und John Lennon machte, nachdem er von Ono den Auftrag erhalten hatte, ein Coverfoto und Werbebilder für die Vermarktung des später von der Kritik gerühmten Albums Double Fantasy von 1980 aufzunehmen. Heute, über 30 Jahre später, schwingen in diesen Bildern (von denen viele nun zum ersten Mal zu sehen sind) eine bemerkenswerte Frische und Ehrlichkeit mit. Shinoyama fängt das berühmte Paar an einem Höhepunkt seiner langjährigen Beziehung ein, in einem Moment der intensiven schöpferischen Katharsis und der persönlichen Neuerfindung. Der Regisseur Jesse Dylan spricht mit Kishin Shinoyama und Yoko Ono über dieses unvergessliche Fotoshooting.

JD: Wie haben Sie beide sich kennengelernt, Mr Shinoyama und Ms Ono?
KS: Vor 40 Jahren, 1974, kam ich nach New York City, um für das japanische Magazin Asahi Graph ein Foto von Yoko im Dakota-Gebäude zu machen. Das war unsere erste Begegnung. Sie mochte das Bild, das ich von ihr aufnahm, und erinnerte sich dann an mich.
YO: Ich habe Sie als Fotokünstler empfohlen, nicht wahr, Mr Shinoyama?
KS: Das stimmt. Sie wollten, dass ein japanischer Fotograf das Coverbild für Double Fantasy machte, also riefen Sie mich an und machten mir ein Angebot.

JD: Erzählen Sie uns von dem Buch, das Sie zusammen mit Yoko Ono veröffentlichen werden, so lange, nachdem die Bilder aufgenommen wurden.
KS: Es war nur ein zweitägiges Shooting, das insgesamt nicht mehr als sieben oder acht Stunden dauerte. Ich machte rund 800 Fotos. Kürzlich, 30 Jahre später, sagte Yoko zu mir: „Warum machen wir daraus nicht ein Fotobuch?“ Ein paar der Bilder waren in der Öffentlichkeit bekannt, aber das ist nun das erste Mal, dass so viele davon zu sehen sind. Als ich sie alle im Layout beisammen sah, sagte ich sogar zu mir selbst: „Wow, wunderbarer Ausdruck! Großartig!“

JD: Wenn Sie ein Foto machen, gibt es dann den Moment, an dem Sie sagen: „Das ist es!“? Oder ist für Sie jeder Moment wichtig?
KS: Also, ich habe keine feste Methode, mit der ich eine bestimmte Situation fotografiere. Ich verbringe Zeit mit den Leuten, schaffe gemeinsam mit ihnen Nähe, und dann kann ich ein paar gute Bilder machen.

JD: Sie haben viele Bücher veröffentlicht. Meinen Sie, ein Fotobuch herauszubringen ist, wie einen Schlussstrich unter eine vergangene Zeit zu ziehen?
KS: Das kann man so sagen. Ich glaube, die Fotografie sollte einen Moment einfangen, bevor er vorüber ist. Jeder Moment endet augenblicklich, er wird Vergangenheit, verstehen Sie? Die Fotografie ist eines der Mittel, mit denen man Momente aufzeichnen kann. Egal, woran ich gearbeitet habe, ich habe meinen Ansatz nie verändert. Ich mache Fotos von allem, was ich sehe, ohne irgendetwas an mir vorbeigehen zu lassen. Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass John bald sterben würde. Aber genau das macht diese Fotos so wertvoll.

JD: Erinnern Sie sich an Ihren ersten Eindruck von John?
KS: John war ein großer Star. Jeder in der Welt kennt John Lennon von den Beatles, nicht wahr? Er war wirklich ganz auf seine Musik konzentriert. Ich war wahnsinnig aufgeregt, ihn zu treffen, aber er war so … wie kann man es ausdrücken? Zärtlich? Er war so angenehm. Das war mein erster Eindruck von John.

JD: Wenn ich die Fotos betrachte, habe ich wirklich das Gefühl, es herrscht darin eine Intimität zwischen John und Yoko und Ihnen. Wie haben Sie es geschafft, den beiden nach so kurzer Zeit so nahe zu sein?
KS: John und Yoko waren kreativ, sie arbeiteten zusammen an dem Album, nachdem sie so lange keine Musik gemacht hatten. Sie zogen ihren Sohn groß, liebten einander und lebten gemeinsam ihr glückliches Leben. Ich glaube, als ich diese Aufnahmen machte, waren sie so glücklich wie nie zuvor. Ich bin sehr froh, dass ich dort war, um die Bilder zu machen. Es war keine Sache der Technik, ich hatte einfach nur das Glück, im besten Moment ihres Lebens anwesend zu sein.
YO: Wissen Sie, das hier wird die ganze Welt erreichen. Alle lieben John, und alle werden dieses Buch lieben.

JD: Wenn Sie sich die Bilder nun zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder ansehen, können Sie wahrscheinlich objektiver darauf reagieren als damals. Wie wirken diese Fotos heute auf Sie?
KS: Ich bin wirklich überrascht. Ich spüre meine Gier, meinen Hunger in diesen Bildern. Dass ich als Fotograf meine ganze Energie dafür einsetzte, die Momente einzufangen, wie sie wirklich waren. Ich würde sagen, ich habe es ganz gut hingekriegt.

Alle Bilder © Kishin Shinoyama