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Wolfgang Tillmans

Intime Schnappschüsse der Welt

Aus dem Archiv

Biografie

Wolfgang Tillmans

Wolfgang Tillmans wurde 1968 in Remscheid geboren und studierte am Bournemouth & Poole College of Art and Design. Er gilt heute weithin als einer der wichtigsten Künstler seiner Generation. Seine Arbeit erfasst zunächst die Unmittelbarkeit des Augenblicks und das Wesen des jeweiligen Objekts, experimentiert aber gleichermaßen mit der Dynamik fotografischer Darstellungsformen. Von Anfang an setzte er sich über die traditionelle Trennung der in Galerien gezeigten Kunst gegenüber von Bildern und Ideen, die durch andere Kunstformen transportiert werden, hinweg und gewährt beiden den gleichen Stellenwert. Seine weiträumigen Installationen vom Boden bis zur Decke beinhalten sowohl Darstellungen von Subkulturen und politischen Bewegungen als auch Porträts, Landschaften, Stilleben und abstrakte Bilderwelten in jeder Größe, von der Postkarte bis zu wandgroßen Abzügen. Seine Arbeiten finden sich in den Sammlungen zahlreicher internationaler Museen – darunter im Museum of Modern Art, New York, im Centre Pompidou, Paris, im National Museum of Modern Art, Osaka, der Berliner Nationalgalerie und in der Tate, London – und waren Bestandteil der Biennale von Venedig 2009. Tillmans wurde im Jahr 2000 mit dem Turner-Preis, 2014 mit dem Hasselblad Award und 2018 mit dem Kaiserring der Stadt Goslar ausgezeichnet.

Wolfgang Tillmans

Der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans ist eine Ikone des Undergrounds. Bekannt wurde er für Bilder, die sich der Klassifikation entziehen und sowohl die historischen Grundlagen als auch die zukünftigen Neuerungen des Mediums Fotografie hinterfragen. Tillmans Werke wurden bereits vielfach ausgestellt. Der Künstler lebt in London und Berlin, wo er seine eigene Galerie Between Bridges betreibt. Er war der erste Fotograf – und der erste Nicht-Engländer –, dem der renommierte Turner-Preis verliehen wurde.

Der Fotograf fiel zuerst mit wie zufällige Schnappschüsse wirkenden Aufnahmen von seinen Freunden (allen voran Modeschöpfer Lutz Huelle und Künstlerin Alexandra Bircken) auf. Seine Bilder erschienen in Zeitschriften wie i-D, Spex, Interview, SZ-Magazin und Butt Magazine und etablierten seinen Ruf als Dokumentar seiner Generation mit Schwerpunkt auf die Londoner Club- und Gay-Szene. Als Jugendlicher war Tillmans fasziniert von den zeitgenössischen Künstlern Gerhard Richter, Sigmar Polke, Robert Rauschenberg und Andy Warhol; auf einer Reise nach England entdeckte er die britische Jugendkultur mit ihrer Mode und ihren Musikzeitschriften, die seine Arbeit stark beeinflussen sollte. Tillmans Kunst befasst sich mit allen möglichen Arten von Fotografie, darunter Fotokopien, Abstraktion, Porträts, Stillleben, Himmels- und Landschaftsbilder, Astrofotografie und Luftaufnahmen. All diese Genres werden von dem intimen Blick des Künstlers auf seine Umgebung zusammengehalten und von sozialen Fragen durchdrungen, vor allem in Bezug auf Queer- und Gender-Politik. In jüngster Zeit arbeitet Tillmans fast nur noch digital und hat eine Installations-Methode entwickelt, bei der ungerahmte Fotos, Ausdrucke, Postkarten und Zeitschriftenausschnitte in nicht-hierarchischen Arrangements an die Galeriewände gepinnt oder getaped werden.

TASCHENS Bücher zu Tillmans Oeuvre, zum Beispiel der Band Neue Welt, kompilieren diverse Bilder, die der Fotograf auf der ganzen Welt aufgenommen hat. Erst jüngst hat der Künstler den Musiker Frank Ocean für dessen Hitalbum Blonde fotografiert und vor dem britischen Referendum eine Anti-Brexit-Kampagne auf die Beine gestellt. Tillmans Arbeiten sind immer in der Gegenwart verhaftet. Mit der Kamera fängt er intime Porträts der gegenwärtigen Welt und ihrer Bewohner ein.