"Ihre Arbeiten erinnern mich an den Zugang, den Diane Arbus zu ihren Themen gefunden hat."

—Richard Prince. Naomi Harris, America Swings.

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Wer von uns hätte nicht gerne das Selbstvertrauen, das dazu gehört, in einen Raum voller Fremder zu gehen, sich auszuziehen und zu wissen, dass man punkten wird? Das ist für amerikanische Swinger Realität, und ich kann mir schlechtere Realitäten denken.

Der Künstler Richard Prince entdeckte Naomis Arbeiten durch The New Erotic Photography von TASCHEN und bat sie um ein Interview für dieses Buch. Im Gespräch mit ihm berichtet Harris, was sie an Swingern fasziniert, äußert sich über das Nacktbaden am Miami Beach und die Schwierigkeit, einen Gangbang mit 26 Personen zu organisieren.
– Dian Hanson

Richard Prince: Zuerst mal der Background, damit wir es hinter uns haben.Wo bist du geboren? Wo bist du aufgewachsen?
Naomi Harris: Ich bin in Toronto in Kanada geboren, am 26. Mai 1973.Wir lebten in Downsview, einer Vorstadt von Toronto,wo meine Eltern auch heute, 40 Jahre später, noch wohnen. Es war eine extrem jüdisch-orthodox geprägte Nachbarschaft, und obwohl wir den Sabbat heiligten und andere jüdische Traditionen beachteten,waren wir bestimmt nicht so strenggläubig wie viele unserer Nachbarn. Viele Kinder in der Gegend bezeichneten mich sogar als Goy (Nichtjuden),weil ich Hosen trug, und wollten nicht mit mir spielen.
R.P.: Highschool, College, Uniabschluss?
N.H.: Ich besuchte neun Jahre lang eine jüdische Schule, wo wir den halben Tag lang auf Englisch und in der restlichen Zeit auf Hebräisch unterrichtet wurden. Ich wurde an der York University, einer Hochschule in Toronto, angenommen und wohnte in den vier Jahren, in denen ich meinen Bachelor-Abschluss in Kunst machte,weiter zu Hause. Auf einem Trip durch Europa in meinem dritten Jahr an der Uni fotografierte ich viel, und das hat mich auf den Geschmack gebracht. Ich bewarb mich am International Center of Photography in New York für den Studiengang Dokumentarfotografie, und siehe da, sie haben mich genommen. Als ich im Alter von 24 nach New York ging, zog ich endlich von zu Hause aus.
R.P.: Wann kam zum ersten Mal Sex ins Spiel?
N.H.: Mein erster Kuss, mein erster Blowjob, das erste Mal von einem Jungen geleckt zu werden und meine Entjungferung – das war alles innerhalb eines Monats. Und immer mit demselben Jungen, wie ich betone. Ich war gerade 16 geworden, der Sommer in der zehnten Klasse. Ich hatte den unangenehmen Teil der Pubertät gerade hinter mir, soll heißen, ich hatte etwa zehn Kilo abgenommen und war 15 Zentimeter in die Länge geschossen. Ich hatte ein ganz neues Selbstvertrauen,was ich so nie wieder erlebt habe, und nachdem ich einmal mit Experimentieren angefangen hatte, sah ich nicht ein,warum ich wieder damit aufhören sollte. Ich war nicht "nuttig" oder so, ich legte bloß nicht ganz so viel Wert darauf, auf den Richtigen zu warten und mich für die Hochzeitsnacht aufzusparen. Ich war neugierig, er stand zur Verfügung, das war alles.Wir waren einen ganzen Monat zusammen, dann machte er Schluss mit mir. Ich war an der Highschool "eine von vielen"; wahrscheinlich bin ich das immer noch. Ich hatte nicht viele Dates, ich hab mich höchstens kurzzeitig mit Leuten zusammengetan – und auch das nicht oft.Komisch, man sollte doch denken, die meisten Jungs würden sich für die Idee begeistern, ihren Spaß zu haben ohne weitere Verpflichtung, aber wenn es ernst wird, sind die meisten Männer prüde.

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Naomi Harris. America Swings

Naomi Harris. America Swings

Naomi Harris, Richard Prince, Dian Hanson
Hardcover im Schuber, 14.6 x 11.4 in., 256 Seiten, $ 700
King and Queen of Swingstock / Swingstock / Duxbury, MN / Juli 2007. Foto: Naomi Harris
Thanksgiving Dinner / Big Lake, MN / November 2004. Foto: Naomi Harris