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"Ihre Arbeiten erinnern mich an den Zugang, den Diane Arbus zu ihren Themen gefunden hat."

—Richard Prince. Naomi Harris, America Swings.

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Wenn man nach den Mainstreamprodukten der amerikanischen Film-, Fernseh- und Pornoindustrie geht, kommt in den Vereinigten Staaten Sex ausschließlich zwischen jungen, schlanken und kosmetisch einwandfreien Menschen vor. Naomi Harris hat anderes gesehen. In den vier Jahren, in denen die kanadische Fotografin Sexspiele beobachtete, die Amerikaner im Verborgenen treiben, fand sie heraus, dass nicht Hollywoodmannequins das aufregendste Sexleben haben, sondern Menschen von nebenan: die freundliche Dame in der Bank, der Hausarzt, die nette Kellnerin und sogar der Lehrer von der Sonntagsschule. Ob man es Swingen, den "Lifestyle" oder Zimmersport nennt, dass verheiratete Paare sich einvernehmlich auf außerehelichen Sex einlassen, ist ein Hobby, das sich in den Vereinigten Staaten wachsender Beliebtheit erfreut. Bei dieser Expedition wagte sich Harris, 34, oft nur mit Sneakers und einem Werkzeuggürtel für ihre Kameraausrüstung bekleidet, unter die Swinger. Sie fotografierte über 48 Monate 40 Partys im ganzen Land, von Mawah, New Jersey, bis Pleasanton, Kalifornien, von Big Lake, Minnesota, bis Washington, Texas.

Sie besuchte Weihnachtspartys, Halloweenpartys, Partys am Valentinstag, Super-Bowl-Partys und ein mehr als leicht geschürztes Thanksgivingdinner. Sie fotografierte Unzucht in Pick-up-Trucks und auf Luxusjachten. Sie traf Ärzte, Anwälte, Geistliche, Farmer, Lehrer und Vollzeitmütter und erlebte all diese Sinnlichkeitssucher als herzlich, gastfreundlich und mehr als bereit, ihr zu demonstrieren, wie Sex in Amerika tatsächlich aussieht.

Studien aus den frühen Siebzigern zufolge ließ sich ein Prozent der verheirateten Paare in Amerika zumindest einmal auf das Swingen ein. 1995 korrigierte die North American Swing Club Association diese Schätzung nach oben, auf 15 Prozent.Niemand kann heute genau sagen, wie viele Paare es versucht haben, aber während der Lifestyle weiter um sich greift, bleiben die demografischen Eckdaten im Grunde unverändert. Swinger sind heute wie in den Siebzigern zum größten Teil:
– Angehörige der Mittel- bis oberen Mittelschicht,
– zwischen 35 und 55,
– gebildeter als der Durchschnittsamerikaner,
– weißer Hautfarbe,
– Kinder gottesfürchtiger christlicher Familien,
– weniger eifersüchtig als andere und,
– abgesehen von ihrer Einstellung zum Sex, konservativ.
Aus persönlicher Beobachtung würde ich hinzufügen, dass Swinger normalerweise gesellig sind, fest an bedingungslose Liebe und die Heiligkeit der Ehe glauben und ihre Lebensgefährten als ihre besten Freunde betrachten. Außerdem ist ihnen Treue wichtig; nur haben sie ihre Definition einfach dahingehend erweitert, dass Sex in Gegenwart des Partners keinen Treuebruch darstellt. Für Swinger ist außerehelicher Geschlechtsverkehr ein gemeinsames Hobby, wie Briefmarkensammeln oder Snowboarden, das so lange keine Gefährdung darstellt, wie die emotionale Bindung des Paars intakt bleibt. Kurz gesagt, das Geheimnis erfolgreichen Swingens liegt im Vertrauen auf die Macht der Liebe.

So scheinen romantische Vorstellungen von Liebe und Sex mit der gesamten Nachbarschaft zunächst unvereinbar, aber die meisten Swinger sind altmodische Menschen. Diese Menschen sind mit traditionellen amerikanischen Werten aufgewachsen und wären in früheren Zeiten zum Wohl der Kinder zusammengeblieben, auch wenn die Leidenschaft längst erloschen war. Heute halten sie die Leidenschaft durch Swingen jung, und immer mehr von ihnen bekennen sich öffentlich zu ihrem Lifestyle. Alle, denen die geschönten Fantasien des kommerziellen Sex mehr liegen, mögen wünschen, sie würden sich bedeckt halten, aber wie sagt Naomi Harris: "Die Medien mögen sie nicht sexy finden, aber sie finden sich sexy, und weil sie dieses Selbstvertrauen haben, erleben sie besseren Sex als wir anderen. Ich bin neidisch auf die Orgasmen dieser Leute, und ich bewundere sie dafür, dass sie sich die Freiheit nehmen, absolut alles auszuprobieren und sich in ihren Körpern so wohl zu fühlen."

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Naomi Harris, America Swings

Naomi Harris, America Swings

Hardcover, Schuber, 37 x 29 cm (14.6 x 11.4 in.), 256 Seiten
$ 500.00
Auf Fotosafari im amerikanischen Swingerdschungel. Limitierte Auflage von 1.000 nummerierten Exemplaren, signiert von Naomi Harris und Richard Prince.



Broken Leg and Barbecue / Swingstock/ Duxbury, MN / Juli 2004. Foto: Naomi Harris


Viking And Girlfriend / Swingstock / Black River Falls, WI / Juli 2003. Foto: Naomi Harris