Sünde, Zigaretten und Stilettos

Von Eric Godtland. Auszug aus dem Buch 'True Crime Detective Magazines'

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Die Magazine konnten die Verbrecher, über die sie berichteten, über Nacht zu Berühmtheiten machen. Sie bauten Stars auf,wie es sonst nur Hollywood konnte.

Um 1928 verabschiedeten sich sowohl die True Detective Tales wie auch die Real Detective Tales ganz von den fiktiven Krimigeschichten.Zwar hatten beide mitunter schon Storys gebracht, die auf realen Begebenheiten beruhten, dabei aber auf die wirklichen Namen, auf Fotos und nähere Details verzichtet.Nach und nach wagten sie jedoch immer öfter, neben der Fiction auch wahre Geschichten zu bringen. True Detective stellte 1929 auf das True-Crime-Format um. Real Detective, das 1927 den sperrigen Titel Real Detective Tales & Mystery Stories bekommen hatte, mischte noch bis 1931 fiktive und wahre Geschichten. Warum diese Kursänderung? Möglicherweise war ja der Konkurrenzkampf um gute Autoren und Storys sehr verbissen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass irgendjemand, Macfadden oder sein Chefredakteur John Shuttleworth, letztendlich registriert hatte, dass sich auf den Straßen und in den konzessionslosen Kneipen spannendere Dinge abspielten, als sie irgendein Autor erfinden konnte. Der Synergieeffekt von drei Zeiterscheinungen ließ in den 1930er-Jahren die Popularität der Detective Magazines explosionsartig ansteigen: erstens die weite Verbreitung von Radiogeräten, dann die durch die Prohibition ausgelöste landesweite Verbrechenswelle und schließlich die realitätsfernen Sehnsüchte einer Nation, die im Würgegriff der Depression gefangen war. Das Radio machte aus Berichterstattungen, insbesondere die Berichterstattungen über Verbrechen, eine Form des Entertainments. Zum ersten Mal konnten die Menschen das Tun von Bankräubern, Gangstern und anderen zwielichtigen Gestalten am Arbeitsplatz, zu Hause, beim Frisör oder in Bars verfolgen, mit der ganzen packenden Dramatik stündlich neuer Entwicklungen. Die chaotischen Zeitumstände waren ein Segen für die Verleger solcher Magazine, insbesondere für Macfadden, Real Detective Tales Inc. und Fawcett, die sich die Beine ausrissen, um an die Art von Fotos, Interviews und Illustrationen zu kommen, die nur Crime Magazines bieten konnten.

In diesem goldenen Zeitalter konnten die Magazine die Verbrecher, über die sie berichteten, über Nacht zu Berühmtheiten machen. Sie bauten Stars auf, wie es sonst nur Hollywood konnte. John Dillinger, Al Capone, Bonnie Parker und Clyde Barrow, Ma Barker, Pretty Boy Floyd, Alvin Karpis, Machine Gun Kelly und Baby Face Nelson verdanken es den Detective Magazines, dass sie heute noch Größen in den Annalen des Verbrechens sind. Dillinger ist in den USA der populärste Kriminelle aller Zeiten, dicht gefolgt von Al Capone. In ihrer Zeit hatten sie ebenso viele Fans wie die damaligen Hollywoodstars, und Hollywood, immer auf der Suche nach guten Storys, las die Detective Magazines mit großer Aufmerksamkeit.

In den 1950er-Jahren stand das Bild einer rauchenden, schlagfertigen,umwerfend aussehenden Schlampe in geschlitztem Rock oder brustbetontem, hautengem Pullover für alles,woran man sich die Finger verbrennen konnte.


Optimistisch und erfolgsverwöhnt gingen die Detective Magazines in die 1940er-Jahre, doch ihr goldenes Zeitalter neigte sich bereits dem Ende zu. Der Angriff auf Pearl Harbor und der darauf folgende Kriegseintritt der USA veränderten die Welt. Die Prohibition, der Goldesel des organisierten Verbrechens,war schon Ende 1933 aufgehoben worden, und die Anzahl der Morde, der Bandenkriege und die allgemeine Korruption gingen zunehmend zurück. Die Magazine konnten nur noch über langweilige Feld-Wald-und-Wiesen-Morde oder Raubüberfälle berichten.

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Sensation, Februar 1942
All-Fact Detective, März 1943