Sünde, Zigaretten und Stilettos

Von Eric Godtland. Auszug aus dem Buch 'True Crime Detective Magazines'

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Wenn Sie einen Drehbuchautor nach der Erfolgsformel für ein Filmskript fragen, wird er antworten: Sex und Gewalt. Mit anderen Worten: Die dramatischen Höhepunkte des Lebens. Sex und Gewalt markieren die beiden extremen Pole des menschlichen Gefühlsspektrums, das größte Verlangen des Menschen und seine tiefsten Ängste, das Beste und das Schlimmste der menschlichen Natur, den Anfang und das Ende unseres Lebens. Vielleicht ist die Kombination von Sex und Gewalt darum so unwiderstehlich. Sie ist nicht nur die wichtigste Zutat jedes guten Filmskripts oder allgegenwärtiges Thema in den Nachrichtensendungen, beinahe unser gesamtes Entertainment beruht heute darauf.

Es waren Verbrechen und Leidenschaft, die die ungebildeten Schichten zum Kauf von Zeitungen animierten, Sex und Gewalt, die sie motivierten, lesen zu lernen.

Wir sind so an das Gemisch aus Sex und Gewalt in den Medien gewöhnt, dass wir davon ausgehen, es wäre immer schon so gewesen, doch sind Massenmedien, wie sie mit dem Aufkommen der Zeitungen entstanden, ein relativ junges Phänomen. Vor 150 Jahren waren Zeitungen nur für die gebildete Oberschicht bestimmt und bedienten sich einer nüchternen Sprache, um den Pöbel abzuschrecken. Es bedurfte der Bilder, um das Interesse der weitgehend des Lesens unkundigen Arbeiterschicht zu wecken, und zwar Bilder, die einen emotional und unmittelbar ansprachen. Dreimal darf man raten,was für Bilder das waren.

Es waren Verbrechen und Leidenschaft, die die ungebildeten Schichten zum Kauf von Zeitungen animierten, Sex und Gewalt, die sie motivierten, lesen zu lernen. Eines der wichtigsten Genres, das dem Wandel eines ursprünglich elitären Mediums zu unserer heutigen Event-Kakofonie den Weg bereitete,war das der Detective Magazines. Was war der Grund dafür, dass dieses Genre Mitte des 19. Jahrhunderts so plötzlich aufkam? Die 1811 erfundene Zylinderschnellpresse trug dazu bei, Nachrichten über einen engeren Kreis hinaus zum Proletariat der Großstädte zu tragen. In den 1830er-Jahren entstand die sogenannte Penny Press, die es ermöglichte, Zeitungen beziehungsweise Flugblätter so günstig herzustellen, dass man sie für einen Penny pro Stück verkaufen konnte. Plötzlich waren Zeitungen für fast jeden erschwinglich und begannen damit, Themen für eine Zielgruppe aufzubereiten, die sie bis dato ignoriert hatten: die Arbeiterschicht. Berichte über wahre Verbrechen erwiesen sich bald als ein Lieblingsthema dieser neuen Leserschicht. Die Alphabetisierung und die Fortschritte in der Drucktechnik bescherten der westlichen Welt einen wahren Zeitungsboom. Genau genommen erschienen die ersten True Crime Magazines 1924, als Macfadden in New York True Detective Mysteries auf den Markt brachte und eine mäßig erfolgreiche Pulp-Serie, Detective Tales, an einen Verlag in Chicago verkauft und als Real Detective Tales relauncht wurde. Beide Titel veröffentlichten in den ersten vier Jahren ihres Erscheinens vorwiegend Fiction, denn sie sollten eigentlich den Konkurrenzblättern Detective Story Magazine und den jüngeren Titeln Black Mask und Flynn’s Paroli bieten.

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True Police Cases, Juni 1968
Women in Crime, Juli 1949