Seid willkommen, Helden des Profi-Football: die 1960er und 1970er Jahre

Von Jim Murray. Auszug aus dem Buch 'Neil Leifer, Guts and Glory: The Golden Age of American Football, 1958-1978'

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"Ich kam 1944 nach Los Angeles. Das heißt: Der Smog und ich fielen gemeinsam in die Stadt ein, und sie ist uns beide trotz größter Anstrengungen nie wieder losgeworden." So stellte sich der Journalist Jim Murray 1961 in seinem ersten Artikel in der Los Angeles Times vor. Für den Sportteil verfasste er zwischen 1961 und 1998 über 10.000 Kolumnen, aus denen hier einige Auszüge folgen.

Es gibt, darüber besteht allgemein Einigkeit, fünf Dinge in der Welt, die nur eine Handvoll Leute jemals wirklich verstanden haben: Einsteins Relativitätstheorie, das Wahlmännersystem des Electoral College, die Werke von James Joyce, die Opern von Richard Wagner und die Tiebreak-Regeln der National Football League. Jonathan Winters hat sie entworfen. Inspiriert hat ihn eine Zeichnung von Rube Goldberg. Irgendwas stammt auch aus den Märchen der Gebrüder Grimm. Oder aus dem Manuskript für einen Tom-und-Jerry-Comic. ["Maybe They Could Award Points for Creative Spiking", 11. Dezember 1979]

Meine Freunde haben mir geraten, mit dieser Kolumne einfach loszulegen, ohne mich vorzustellen, so als hätten meine Texte schon immer hier gestanden, und Sie hätten es nur nicht bemerkt. Aber ich glaube nicht, dass ich das tun sollte. Ich glaube, ich sollte Ihnen erst mal ein bisschen über mich und über das erzählen, wofür ich stehe. Dann haben wir gleich etwas, worüber wir streiten können. Also: Ich bin gegen den Bunt, also dagegen, dass der Schlagmann den Ball beim Baseball nur leicht abtropfen lässt, statt ihn zu schlagen – es sei denn, es ist der Ball, gegen den John McGraw geschlagen hat. Zum letzten Mal wurde ein Spiel durch einen Bunt gewonnen, als Frank Chance (1876–1924) gerade am Anfang seiner Karriere stand.

Weiter: Ich finde, es sollte Schluss sein mit den acht Punkten für einen Touchdown. Das hat dem Spiel doch keinen zusätzlichen Reiz gegeben. Ich bin froh, dass die Rams Billy Wade verkauft haben. Ich will ja nicht behaupten, dass Billy tollpatschig war, aber auf dem Weg zurück von der Line of Scrimmage ist er mit dem Ball in mehr Leute hineingelaufen als ein Taschendieb in New York. Ich habe Blocker erlebt, die die Ballträger schlecht aussehen ließen. Aber Wade war der einzige Ballträger, der die Blocker schlecht aussehen ließ. Die armen Jungs fingen an zu schielen, wenn sie versuchten, ihn aus den Augenwinkeln zu verfolgen. Sie wussten nie, wohin er laufen würde. Billy hat mehr und schneller Boden verloren als Mussolini gegen Kriegsende. Die Chicago Bears sollten ihm seine Schuhe falsch herum anziehen, sonst tanzt er noch aus ihrem Stadion raus. Ich glaube, er ist der einzige Quarterback in der Geschichte des Football, der bis in die Sitzreihen der Zuschauer rannte und dort attackiert wurde. (…) ["Let's Dot Some 'I's", 12. Februar 1961]

Wenn man Vince Lombardi mitten in einer Gruppe von Truckern sähe und seinen Beruf erraten sollte, wäre Football-Coach wohl so ziemlich die letzte Antwort. Aber das ist auch in Ordnung, denn man würde NIEMALS darauf kommen, dass er Lateinlehrer war. Vince Lombardi sieht aus, als würde er jeden Augenblick aus der Fahrerkabine eines dreiachsigen Schwerlasters herunterklettern und sagen: "Okay, gnädige Frau,wo soll das Klavier hin?" Sein Gesicht ist dunkel und ausdrucksstark. Die Augen sind freundlich, aber auf der Hut. Dieser Bursche ist in der Stadt groß geworden, der lässt sich nicht über den Tisch ziehen, dem wollte man schließlich schon mal die Brooklyn Bridge verkaufen. Sein Gesicht sieht nicht aus wie das Gesicht eines Pädagogen. Man kann ihn sich schlecht vorstellen, wie er an der Wandtafel steht und den Schülern "hic, haec, hoc" beibringt oder erklärt, nach welchen Präpositionen der Dativ steht. Aber Vince Lombardi hat auch Physik unterrichtet. Und der letzte Typ, der sowohl Physik als auch Latein begriffen hat,war Leonardo da Vinci. Aber der konnte einen Konter von rechts innen nicht von einer Raumverteidigung oder einem Buttonhook Pattern unterscheiden. (…)

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Kicking It Down the Field: Super Bowl I, Packers 35, Chiefs 10, Los Angeles Memorial Coliseum, 15. Januar 1967. Foto: Neil Leifer
Too Little, Too Late: Super Bowl III, Jets 16, Colts 7, Orange Bowl, 12. Januar 1969. Foto: Neil Leifer