Stanley Kubrick's Napoleon: The Greatest Movie Never Made
Vorwort von Alison Castle, Paris, 2008
Dieses Buch ist das Ergebnis (besessener) Liebe – von vielen Seiten: Napoleons zu Josephine, Kubricks zur Geschichte Napoleons und unserer zu Kubrick. Das Napoleon-Epos, das nie zustande kam, hält Kubrick Anhänger seit langem in seinem Bann, wenngleich es keinerlei Hoffnung für uns gibt, jemals zu wissen, wie der Film letztendlich ausgesehen hätte – und es ist fraglich, ob Kubrick selbst es wusste. Wir halten eine Reihe von Indizien zu einem Geheimnis in Händen, das sich niemals lösen lassen wird. Unbestreitbar ist jedoch, dass diese Indizien – Kubricks Napoleon-Archiv – unendlich faszinierend sind.
Wir sind in der glücklichen Lage, über diese riesige Materialsammlung zu verfügen, die jenen Zustand wiedergibt, in dem sich das 1967 begonnene Projekt befand, als es endgültig aufgegeben, ja, man könnte sagen: in voller Fahrt angehalten wurde (etwa um 1971). Was zu Napoleon gehörte, wurde in Kisten gestopft, von Haus zu Haus transportiert und schließlich während der letzten beiden Jahrzehnte in Kubricks Leben auf seinem Gut bei St. Albans eingelagert. Fans, die sich während all dieser Jahre für dieses Projekt interessierten und nach Informationen darüber suchten, hatten keinen Erfolg. Erst durch den Band The Stanley Kubrick Archives (Das Stanley-Kubrick-Archiv), der 2005 veröffentlich wurde und ein Kapitel zu diesem Projekt enthielt, gelangte ein Teil des Materials erstmals ans Licht der Öffentlichkeit.
Als ich 2002 mit meinen Recherchen für das Archiv-Buch begann, war ich von der schieren Menge des Napoleon-Materials überrascht, das auf Kubricks Landsitz verblieben war. Mengenmäßig übertraf es, was von vielen seiner vollendeten Filme erhalten geblieben war. Es war offensichtlich, dass Kubrick den Wert der Informationen kannte, die er zusammengetragen hatte, und dass er sich
nicht davon trennen wollte, selbst als er schon lange jede Hoffnung aufgegeben hatte, den Film jemals zu drehen. Als ich für das vorliegende Werk noch einmal auf das Napoleon-Material zurückkam, bestand meine Aufgabe darin, einen Weg zu finden, Kubricks Projekt und dessen Fülle an Rechercheunterlagen darzustellen, ohne Verrat an seinen Absichten zu begehen. Je nach Blickwinkel war diese Aufgabenstellung entweder unrealistisch oder schlichtweg blasphemisch. Doch nach Auffassung vieler – mich selbst eingeschlossen – wäre es nahezu verbrecherisch, diese Schatztruhe nicht mit der Welt zu teilen. In diesem Sinne präsentiere ich Ihnen diesen Versuch, Kubricks „Napoleon“ gerecht zu werden.
Hierin können Leser in einer Auswahl aus Kubricks Schriftwechseln, den diversen Kostümstudien, Fotografien von der Drehortsuche, Recherchematerialien, Drehbuchentwürfen und mehr blättern, wobei jeder Materialkategorie ihr eigenes Buch gewidmet ist. Kubricks „endgültiger Entwurf“ des Drehbuchs (der Begriff „endgültig“ ist recht euphemistisch, da Kubrick dafür bekannt war, seine Drehbücher bis zu den – und sogar während der – Dreharbeiten unermüdlich zu überarbeiten) ist als Faksimile abgedruckt, während die anderen Texte säuberlich in einen Band eingepfercht wurden, wo sie nicht Gefahr laufen, sich in das Bildmaterial einzumischen. All diese Bücher wurden fein säuberlich in das herausgearbeitete Faksimile eines echten Napoleon- Geschichtsbuchs gesteckt – oder sollte man besser sagen: „darin versteckt“? (Diese geniale Lösung einer ganz besonderen Herausforderung, nämlich einer sehr ungewöhnlichen Synthese von historischem Zeugnis und Kunstgegenstand, verdanken wir dem französischen Designteam M/ M (Paris).)
Als Buchherausgeberin, Kubrickforscherin und Archivausgräberin ziere ich mich, den Versuch zu unternehmen, das Projekt zu erklären. Doch für all die Leser, die danach dürsten, so viel wie möglich zu erfahren, habe ich eine Auswahl an Artikeln zusammengestellt, die Kubricks Arbeit an diesem gewaltigen Projekt am besten
darstellen, und ich habe weitere Texte in Auftrag gegeben, die helfen sollen, uns in diesem Material zurechtzufinden. Die Filmhistorikerin Eva-Maria Magel beschäftigt sich mit Kubricks nahezu endlosem Bemühen, den Film zu verwirklichen, sowie mit seiner dramatischen Interpretation von Napoleons Leben, der Historiker Geoffrey Ellis von der Universität Oxford untersucht sorgfältig Kubricks historische Genauigkeit und entschlüsselt die Abschriftenvon Kubricks Gesprächen mit Felix Markham (die in ihrer Gesamtheithier abgedruckt sind), und der Napoleonexperte Jean Tulard gibt uns einen wunderbaren Überblick über ein Jahrhundert mit Napoleon-Filmen, zu dem auch Kubrick seinen Beitrag hätte leisten können.
Ihre Aufgabe, werte Leserin und werter Leser, ist es nun, diese unterschiedlichen Artefakte ganz nach Ihrem Belieben zu entschlüsseln, und ich hoffe, Sie haben Ihre Freude daran.
Alison Castle
Paris, 2008
Dieses Buch ist das Ergebnis (besessener) Liebe – von vielen Seiten: Napoleons zu Josephine, Kubricks zur Geschichte Napoleons und unserer zu Kubrick. Das Napoleon-Epos, das nie zustande kam, hält Kubrick Anhänger seit langem in seinem Bann, wenngleich es keinerlei Hoffnung für uns gibt, jemals zu wissen, wie der Film letztendlich ausgesehen hätte – und es ist fraglich, ob Kubrick selbst es wusste. Wir halten eine Reihe von Indizien zu einem Geheimnis in Händen, das sich niemals lösen lassen wird. Unbestreitbar ist jedoch, dass diese Indizien – Kubricks Napoleon-Archiv – unendlich faszinierend sind.
Wir sind in der glücklichen Lage, über diese riesige Materialsammlung zu verfügen, die jenen Zustand wiedergibt, in dem sich das 1967 begonnene Projekt befand, als es endgültig aufgegeben, ja, man könnte sagen: in voller Fahrt angehalten wurde (etwa um 1971). Was zu Napoleon gehörte, wurde in Kisten gestopft, von Haus zu Haus transportiert und schließlich während der letzten beiden Jahrzehnte in Kubricks Leben auf seinem Gut bei St. Albans eingelagert. Fans, die sich während all dieser Jahre für dieses Projekt interessierten und nach Informationen darüber suchten, hatten keinen Erfolg. Erst durch den Band The Stanley Kubrick Archives (Das Stanley-Kubrick-Archiv), der 2005 veröffentlich wurde und ein Kapitel zu diesem Projekt enthielt, gelangte ein Teil des Materials erstmals ans Licht der Öffentlichkeit.
Als ich 2002 mit meinen Recherchen für das Archiv-Buch begann, war ich von der schieren Menge des Napoleon-Materials überrascht, das auf Kubricks Landsitz verblieben war. Mengenmäßig übertraf es, was von vielen seiner vollendeten Filme erhalten geblieben war. Es war offensichtlich, dass Kubrick den Wert der Informationen kannte, die er zusammengetragen hatte, und dass er sich
nicht davon trennen wollte, selbst als er schon lange jede Hoffnung aufgegeben hatte, den Film jemals zu drehen. Als ich für das vorliegende Werk noch einmal auf das Napoleon-Material zurückkam, bestand meine Aufgabe darin, einen Weg zu finden, Kubricks Projekt und dessen Fülle an Rechercheunterlagen darzustellen, ohne Verrat an seinen Absichten zu begehen. Je nach Blickwinkel war diese Aufgabenstellung entweder unrealistisch oder schlichtweg blasphemisch. Doch nach Auffassung vieler – mich selbst eingeschlossen – wäre es nahezu verbrecherisch, diese Schatztruhe nicht mit der Welt zu teilen. In diesem Sinne präsentiere ich Ihnen diesen Versuch, Kubricks „Napoleon“ gerecht zu werden.
Hierin können Leser in einer Auswahl aus Kubricks Schriftwechseln, den diversen Kostümstudien, Fotografien von der Drehortsuche, Recherchematerialien, Drehbuchentwürfen und mehr blättern, wobei jeder Materialkategorie ihr eigenes Buch gewidmet ist. Kubricks „endgültiger Entwurf“ des Drehbuchs (der Begriff „endgültig“ ist recht euphemistisch, da Kubrick dafür bekannt war, seine Drehbücher bis zu den – und sogar während der – Dreharbeiten unermüdlich zu überarbeiten) ist als Faksimile abgedruckt, während die anderen Texte säuberlich in einen Band eingepfercht wurden, wo sie nicht Gefahr laufen, sich in das Bildmaterial einzumischen. All diese Bücher wurden fein säuberlich in das herausgearbeitete Faksimile eines echten Napoleon- Geschichtsbuchs gesteckt – oder sollte man besser sagen: „darin versteckt“? (Diese geniale Lösung einer ganz besonderen Herausforderung, nämlich einer sehr ungewöhnlichen Synthese von historischem Zeugnis und Kunstgegenstand, verdanken wir dem französischen Designteam M/ M (Paris).)
Als Buchherausgeberin, Kubrickforscherin und Archivausgräberin ziere ich mich, den Versuch zu unternehmen, das Projekt zu erklären. Doch für all die Leser, die danach dürsten, so viel wie möglich zu erfahren, habe ich eine Auswahl an Artikeln zusammengestellt, die Kubricks Arbeit an diesem gewaltigen Projekt am besten
darstellen, und ich habe weitere Texte in Auftrag gegeben, die helfen sollen, uns in diesem Material zurechtzufinden. Die Filmhistorikerin Eva-Maria Magel beschäftigt sich mit Kubricks nahezu endlosem Bemühen, den Film zu verwirklichen, sowie mit seiner dramatischen Interpretation von Napoleons Leben, der Historiker Geoffrey Ellis von der Universität Oxford untersucht sorgfältig Kubricks historische Genauigkeit und entschlüsselt die Abschriftenvon Kubricks Gesprächen mit Felix Markham (die in ihrer Gesamtheithier abgedruckt sind), und der Napoleonexperte Jean Tulard gibt uns einen wunderbaren Überblick über ein Jahrhundert mit Napoleon-Filmen, zu dem auch Kubrick seinen Beitrag hätte leisten können.
Ihre Aufgabe, werte Leserin und werter Leser, ist es nun, diese unterschiedlichen Artefakte ganz nach Ihrem Belieben zu entschlüsseln, und ich hoffe, Sie haben Ihre Freude daran.
Alison Castle
Paris, 2008
Stanley Kubrick's Napoleon. The Greatest Movie Never Made
M/M Paris, Alison Castle
Hardcover mit 10 innenliegenden Büchern, Bilddatenbank, 11.6 x 14.7 in., 2874 Seiten, $ 3,000
Hardcover mit 10 innenliegenden Büchern, Bilddatenbank, 11.6 x 14.7 in., 2874 Seiten, $ 3,000
