Filme machen
Das Ingmar Bergman Archiv. Auszug aus einem Essay von Ingmar Bergman
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Eine Tragödie in 500 kleine Teile zu zerpflücken,mit jedem Stück zu spielen und dann alle Teile zusammenzukleben zu einem Ganzen, das ist unsere Aufgabe
Was sind nun Dreharbeiten? Wenn ich jedem von Ihnen diese Frage stellen wollte, würde ich ziemlich unterschiedliche Antworten bekommen. Für mich verbindet sich damit ein knallharter Arbeitstag, ein gebrochenes Kreuz, Sand in den Augen, der Geruch von Schminke, Schweiß und Glühlampen, Anspannung und Entspannung in endloser Folge, ein ständiger Kampf zwischen Wollen und Müssen, Vision und Realität, Ehrgeiz und Schlaffheit. Frühe Morgen, schlaflose Nächte, ein gesteigertes Lebensgefühl, eine Art fanatischer Absolutheit in Hinblick auf das Werk, in dem ich am Ende ein gut funktionierender Teil des Filmstreifens bin, ein unmenschlich kleiner Apparat, der nur den Fehler hat, dass er essen und trinken muss. Es passiert das Eigenartige, dass sich beim völligen Aufgehen in der Arbeit oft schon das Konzept für den nächsten Film einstellt, sämtliche Stockwerke der Werkstatt sind randvoll mit angespannter Arbeitskraft.
Wer glaubt, das hieße soviel wie: ekstatisches Durcheinander, hysterische Aufregung, erschreckende Desorganisation, der irrt allerdings. Dreharbeiten sind ein teurer Koloss an Schwerstarbeit, dazu braucht es einen klaren Kopf, Pedanterie, kalte Berechnung und haltbare Kalkulationen. Dazu gehört gleich bleibend gute Laune und eine Geduld, die nicht von dieser Welt ist.
Die Primadonna hat dunkle Ringe unter den Augen – 10.000 Kronen, das Negativ wird Flecken haben – Nachdreh. Der Tod hat die Stirn, sich eines Tages einen Schauspieler zu schnappen – Nachdreh mit einem anderen Akteur – zahllose Tausender.Gewitter – der elektrische Umformer bleibt stehen, geschminkt sitzen wir im blassen Tageslicht und warten, die Stunden vergehen und das Geld geht mit.
Aus dem Zusammenhang gerissene, idiotische Beispiele! Sie können aber gar nicht anders sein als idiotisch, denn der Vorgang hat etwas von der großen sublimen Idiotie: Träume in Schatten zu verwandeln, eine Tragödie in 500 kleine Teile zu zerpflücken, mit jedem Stück zu spielen und dann alle Teile zusammenzukleben zu einem Ganzen, das dann wieder die Tragödie sein soll. Einen 2.500 Meter langen Bandwurm herzustellen, der den Akteuren, Produzenten und Regisseuren Geist und Leben aussaugt. Das sind Dreharbeiten. Das und noch viel mehr, noch viel mehr und noch viel schlimmer.
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Eine Tragödie in 500 kleine Teile zu zerpflücken,mit jedem Stück zu spielen und dann alle Teile zusammenzukleben zu einem Ganzen, das ist unsere Aufgabe
Was sind nun Dreharbeiten? Wenn ich jedem von Ihnen diese Frage stellen wollte, würde ich ziemlich unterschiedliche Antworten bekommen. Für mich verbindet sich damit ein knallharter Arbeitstag, ein gebrochenes Kreuz, Sand in den Augen, der Geruch von Schminke, Schweiß und Glühlampen, Anspannung und Entspannung in endloser Folge, ein ständiger Kampf zwischen Wollen und Müssen, Vision und Realität, Ehrgeiz und Schlaffheit. Frühe Morgen, schlaflose Nächte, ein gesteigertes Lebensgefühl, eine Art fanatischer Absolutheit in Hinblick auf das Werk, in dem ich am Ende ein gut funktionierender Teil des Filmstreifens bin, ein unmenschlich kleiner Apparat, der nur den Fehler hat, dass er essen und trinken muss. Es passiert das Eigenartige, dass sich beim völligen Aufgehen in der Arbeit oft schon das Konzept für den nächsten Film einstellt, sämtliche Stockwerke der Werkstatt sind randvoll mit angespannter Arbeitskraft.
Wer glaubt, das hieße soviel wie: ekstatisches Durcheinander, hysterische Aufregung, erschreckende Desorganisation, der irrt allerdings. Dreharbeiten sind ein teurer Koloss an Schwerstarbeit, dazu braucht es einen klaren Kopf, Pedanterie, kalte Berechnung und haltbare Kalkulationen. Dazu gehört gleich bleibend gute Laune und eine Geduld, die nicht von dieser Welt ist.
Die Primadonna hat dunkle Ringe unter den Augen – 10.000 Kronen, das Negativ wird Flecken haben – Nachdreh. Der Tod hat die Stirn, sich eines Tages einen Schauspieler zu schnappen – Nachdreh mit einem anderen Akteur – zahllose Tausender.Gewitter – der elektrische Umformer bleibt stehen, geschminkt sitzen wir im blassen Tageslicht und warten, die Stunden vergehen und das Geld geht mit.
Aus dem Zusammenhang gerissene, idiotische Beispiele! Sie können aber gar nicht anders sein als idiotisch, denn der Vorgang hat etwas von der großen sublimen Idiotie: Träume in Schatten zu verwandeln, eine Tragödie in 500 kleine Teile zu zerpflücken, mit jedem Stück zu spielen und dann alle Teile zusammenzukleben zu einem Ganzen, das dann wieder die Tragödie sein soll. Einen 2.500 Meter langen Bandwurm herzustellen, der den Akteuren, Produzenten und Regisseuren Geist und Leben aussaugt. Das sind Dreharbeiten. Das und noch viel mehr, noch viel mehr und noch viel schlimmer.
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