Filme machen
Das Ingmar Bergman Archiv. Auszug aus einem Essay von Ingmar Bergman
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Ich spreche auch in diesem Ton. Ich kenne das Spiel und spiele es oft, und es klappt immer, mich und einige Andere damit zu täuschen, auch wenn dieses Spiel eigentlich ein ganz schlechtes Schmerzmittel ist. Meine Filme sind gutes Handwerk, ich bin fleißig, gewissenhaft und äußerst sorgfältig. Meine Arbeit ist für den täglichen Gebrauch bestimmt und nicht für die Ewigkeit, mein Stolz ist der Stolz des Handwerkers.
Trotzdem weiß ich, dass ich mich mit diesen Worten selbst betrüge, und die nicht nachlassende Angst ruft mir zu: „Was hält sich denn von dem,was du gemacht hast? Gibt es in deinen Filmen einen einzigen Meter, der der Zukunft standhält, ist eine einzige Replik, eine einzige Situation wirklich und unwiderruflich wahr?“
Und mit der in einem ehrlichen Menschen tief verwurzelten Verlogenheit muss ich sagen: „Ich weiß nicht, ich glaube es.“ In diesem Zusammenhang möchte ich mit noch ein paar Worten zum zweiten Teil des Dilemmas sagen – dem wichtigsten und dem, der sich am schwersten meistern lässt – dem Publikum.
Der Filmschaffende hat es mit einem Medium zu tun, das nicht nur ihn selbst etwas angeht, sondern Millionen von Menschen, und meistens hat er die gleichen Bedürfnisse wie andere Künstler auch: Ich will heute Erfolg haben. Ich will jetzt berühmt werden. Ich will sofort gefallen, betören, empören.
Dieser Wunsch trifft auf halbem Wege auf das Publikum, das nur einen einzigen Anspruch an die Filme stellt: Ich habe bezahlt, ich will unterhalten werden, ich will mitgerissen, mit einbezogen werden, meine Eingeweide, meine Nächsten, meine Arbeit vergessen, ich will aus mir herausgehen können. Ich sitze im Dunkeln und will gerettet werden.
Der Filmemacher, der diesen Wunsch kennt und vom Geld des Publikums lebt, steht vor einer schweren Verantwortung. Während er seinen Film macht, muss er unablässig mit der Reaktion des Publikums rechnen. Für mich persönlich stellt sich dauernd die Frage: kann ich mich einfacher, reiner, klarer ausdrücken? Versteht jeder,was ich sage? Kann auch der einfachste Mensch dem Gang der Handlung folgen? Und das Wichtigste von allem: Inwieweit habe ich das Recht, künstlerische Kompromisse zu machen, und wo beginnt die Schuldigkeit mir selbst gegenüber? Alles Experimentieren enthält ja ein hohes und offensichtliches Risiko,weil man sich beim Experimentieren immer vom Publikum entfernt. Und eine Entfernung vom Publikum kann ihrerseits in die Sterilität führen, in den Elfenbeinturm. Wünschenswert wäre es,wenn Filmproduzenten, wie andere Fabrikleiter auch, den schöpferischen Kräften Labors zur Verfügung stellten. Das ist nun nicht der Fall. Filmproduzenten vertrauen nur Ingenieuren und bilden sich mit stupider Ehrfurcht ein, die Industrie sei mit komplizierten technischen Innovationen zu retten.
Dem Zuschauer Angst zu machen, ist nicht so schwer. Man kann ihn zu Tode erschrecken, in den meisten Menschen schlummern große Ängste. Menschen zum Lachen zu bringen, und zwar an der richtigen Stelle, ist viel schwieriger.Man kann einen Menschen leicht dazu bringen, dass er sich schlechter vorkommt als er ist, und ihn schwer dazu bringen, dass er sich besser vorkommt, genau das aber wünscht er sich ja nun einmal,wenn er in ein dunkles Kino geht.Wie oft und mit welchen Mitteln stellen wir den Suchenden in diesem Punkt zufrieden? Das sind meine Überlegungen und zugleich weiß ich mit absoluter Klarheit, dass es riskante Überlegungen sind, weil sie die große Gefahr in sich bergen, öffentliches Scheitern zu verurteilen, Ambitionen als Hochmut zu bezeichnen, sich blind zu starren an den Grenzen, die Publikum und Kritik errichten, Grenzen, die ich nicht kenne und die nicht die meinen sind,weil ich mich ununterbrochen verändere. Ich hätte manchmal größte Lust, mich anzupassen und so zu werden, wie man mich haben will, und zugleich weiß ich, es wäre das Ende und die absolute Gleichgültigkeit. Deshalb bin ich dann doch froh, dass ich nicht mit Vernunft und Gedärm zu gleichen Teilen auf die Welt gekommen bin.
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Ich spreche auch in diesem Ton. Ich kenne das Spiel und spiele es oft, und es klappt immer, mich und einige Andere damit zu täuschen, auch wenn dieses Spiel eigentlich ein ganz schlechtes Schmerzmittel ist. Meine Filme sind gutes Handwerk, ich bin fleißig, gewissenhaft und äußerst sorgfältig. Meine Arbeit ist für den täglichen Gebrauch bestimmt und nicht für die Ewigkeit, mein Stolz ist der Stolz des Handwerkers.
Trotzdem weiß ich, dass ich mich mit diesen Worten selbst betrüge, und die nicht nachlassende Angst ruft mir zu: „Was hält sich denn von dem,was du gemacht hast? Gibt es in deinen Filmen einen einzigen Meter, der der Zukunft standhält, ist eine einzige Replik, eine einzige Situation wirklich und unwiderruflich wahr?“
Und mit der in einem ehrlichen Menschen tief verwurzelten Verlogenheit muss ich sagen: „Ich weiß nicht, ich glaube es.“ In diesem Zusammenhang möchte ich mit noch ein paar Worten zum zweiten Teil des Dilemmas sagen – dem wichtigsten und dem, der sich am schwersten meistern lässt – dem Publikum.
Der Filmschaffende hat es mit einem Medium zu tun, das nicht nur ihn selbst etwas angeht, sondern Millionen von Menschen, und meistens hat er die gleichen Bedürfnisse wie andere Künstler auch: Ich will heute Erfolg haben. Ich will jetzt berühmt werden. Ich will sofort gefallen, betören, empören.
Dieser Wunsch trifft auf halbem Wege auf das Publikum, das nur einen einzigen Anspruch an die Filme stellt: Ich habe bezahlt, ich will unterhalten werden, ich will mitgerissen, mit einbezogen werden, meine Eingeweide, meine Nächsten, meine Arbeit vergessen, ich will aus mir herausgehen können. Ich sitze im Dunkeln und will gerettet werden.
Der Filmemacher, der diesen Wunsch kennt und vom Geld des Publikums lebt, steht vor einer schweren Verantwortung. Während er seinen Film macht, muss er unablässig mit der Reaktion des Publikums rechnen. Für mich persönlich stellt sich dauernd die Frage: kann ich mich einfacher, reiner, klarer ausdrücken? Versteht jeder,was ich sage? Kann auch der einfachste Mensch dem Gang der Handlung folgen? Und das Wichtigste von allem: Inwieweit habe ich das Recht, künstlerische Kompromisse zu machen, und wo beginnt die Schuldigkeit mir selbst gegenüber? Alles Experimentieren enthält ja ein hohes und offensichtliches Risiko,weil man sich beim Experimentieren immer vom Publikum entfernt. Und eine Entfernung vom Publikum kann ihrerseits in die Sterilität führen, in den Elfenbeinturm. Wünschenswert wäre es,wenn Filmproduzenten, wie andere Fabrikleiter auch, den schöpferischen Kräften Labors zur Verfügung stellten. Das ist nun nicht der Fall. Filmproduzenten vertrauen nur Ingenieuren und bilden sich mit stupider Ehrfurcht ein, die Industrie sei mit komplizierten technischen Innovationen zu retten.
Dem Zuschauer Angst zu machen, ist nicht so schwer. Man kann ihn zu Tode erschrecken, in den meisten Menschen schlummern große Ängste. Menschen zum Lachen zu bringen, und zwar an der richtigen Stelle, ist viel schwieriger.Man kann einen Menschen leicht dazu bringen, dass er sich schlechter vorkommt als er ist, und ihn schwer dazu bringen, dass er sich besser vorkommt, genau das aber wünscht er sich ja nun einmal,wenn er in ein dunkles Kino geht.Wie oft und mit welchen Mitteln stellen wir den Suchenden in diesem Punkt zufrieden? Das sind meine Überlegungen und zugleich weiß ich mit absoluter Klarheit, dass es riskante Überlegungen sind, weil sie die große Gefahr in sich bergen, öffentliches Scheitern zu verurteilen, Ambitionen als Hochmut zu bezeichnen, sich blind zu starren an den Grenzen, die Publikum und Kritik errichten, Grenzen, die ich nicht kenne und die nicht die meinen sind,weil ich mich ununterbrochen verändere. Ich hätte manchmal größte Lust, mich anzupassen und so zu werden, wie man mich haben will, und zugleich weiß ich, es wäre das Ende und die absolute Gleichgültigkeit. Deshalb bin ich dann doch froh, dass ich nicht mit Vernunft und Gedärm zu gleichen Teilen auf die Welt gekommen bin.
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