Jeder Film ist mein letzter Film
Das Ingmar Bergman Archiv. Auszug aus einem Essay von Ingmar Bergman
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Hätte ich für solche Anlässe einen Klartext mit streng festgelegten Zeichen, die irrationalen Faktoren meiner Arbeit wären praktisch eliminiert, ich könnte in der ruhigen Gewissheit arbeiten, dass ich den sinngemäßen Rhythmus und Zusammenhang des Ganzen und der Teile jederzeit überprüfen kann ... Halten wir ein für allemal fest, dass das Drehbuch eine äußerst mangelhafte technische Grundlage des fertigen Films ist. Film hat mit Literatur nichts zu tun. Häufig sind das zwei Kunstarten, deren Natur und Substanz einander bekämpfen. Während einer Filmvorstellung versetzen wir uns bewusst in eine Bereitschaft zur Illusion, schalten Willen und Intellekt aus.Wir öffnen den Zugang zu unserer Fantasie. Das Erzählen in Bildern trifft unmittelbar auf unsere Gefühle, ohne Zwischenaufenthalt im Intellekt.
Halten wir ein für allemal fest, dass das Drehbuch eine äußerst mangelhafte technische Grundlage des fertigen Films ist
Es gibt viele Gründe,weshalb wir das Verfilmen vorhandener Literatur vermeiden sollten, einer der wesentlichsten ist aber der, dass die irrationale Dimension eines literarischen Werks, sein Kern meistens nicht übertragbar ist und seinerseits wiederum die irrationale Dimension des Films tötet.Wenn wir trotzdem die Übertragung eines literarischen Inhalts in den filmischen wünschen, dann sind wir zu einer endlosen Serie komplizierter Transformationen gezwungen, die im Verhältnis zur Anstrengung meistens nur wenig oder gar nichts bringen. Ich weiß, wovon ich spreche, nachdem man meine Filme der so genannten literarischen Beurteilung unterzogen hat. Das macht so viel Sinn, als wollte man einen Musikkritiker eine Gemäldeausstellung kritisieren lassen oder einen Fußballreporter eine Theaterpremiere. Der einzige Grund dafür, dass jeder meint, er sei in der Lage, sich über einen Film zu äußern, liegt im Unvermögen des Films, sich als Kunstform zu behaupten, im Fehlen einer Nomenklatur, in seiner schrecklichen Jugendlichkeit im Vergleich zu den übrigen Künsten, in seiner nicht zu übersehenden Gebundenheit an ökonomische Realitäten und darin, dass er an das Gefühlsleben appelliert. Ich selbst hatte keinerlei schriftstellerische Ambitionen. Ich will nicht Romane,Novellen, Essays, Biographien oder Aufsätze über verschiedene Themen schreiben. Ich will nicht einmal Theaterstücke schreiben. Meine Lust ist es, Filme zu machen über Zustände, Spannungen, Bilder, Rhythmen und Charaktere, die ich in mir habe und die auf diese oder jene Art aktuell sind für mich. Der Film und sein komplizierter Geburtsvorgang ist meine Methode, mit meinen Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Ich finde es demütigend, wenn man mein Opus, das ein Film ist, als Buch beurteilt. Das Drehbuchschreiben ist also eine schwere Zeit, aber natürlich gesund,weil sie mich zur logischen Überprüfung der Haltbarkeit meiner Idee zwingt. Dabei kann es zu schweren Konflikten kommen. Es kommt zur Zerreißprobe zwischen meinem Bedürfnis, einen filmisch assoziativen Ausdruck für eine komplizierte Situation zu suchen, auf der einen Seite und meinen Ansprüchen an absolute Klarheit auf der anderen.Weil ich mein Werk nicht zur eigenen Erbauung oder zu der einiger Weniger erschaffe, sondern zur Unterhaltung eines Millionenpublikums, siegt meistens der zuletzt genannte Imperativ. Gleichwohl prüfe ich manchmal die riskantere Alternative und es hat sich gezeigt, dass das Publikum auch eine avancierte, irrationale Linienführung erstaunlich hellhörig aufnimmt...
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Hätte ich für solche Anlässe einen Klartext mit streng festgelegten Zeichen, die irrationalen Faktoren meiner Arbeit wären praktisch eliminiert, ich könnte in der ruhigen Gewissheit arbeiten, dass ich den sinngemäßen Rhythmus und Zusammenhang des Ganzen und der Teile jederzeit überprüfen kann ... Halten wir ein für allemal fest, dass das Drehbuch eine äußerst mangelhafte technische Grundlage des fertigen Films ist. Film hat mit Literatur nichts zu tun. Häufig sind das zwei Kunstarten, deren Natur und Substanz einander bekämpfen. Während einer Filmvorstellung versetzen wir uns bewusst in eine Bereitschaft zur Illusion, schalten Willen und Intellekt aus.Wir öffnen den Zugang zu unserer Fantasie. Das Erzählen in Bildern trifft unmittelbar auf unsere Gefühle, ohne Zwischenaufenthalt im Intellekt.
Halten wir ein für allemal fest, dass das Drehbuch eine äußerst mangelhafte technische Grundlage des fertigen Films ist
Es gibt viele Gründe,weshalb wir das Verfilmen vorhandener Literatur vermeiden sollten, einer der wesentlichsten ist aber der, dass die irrationale Dimension eines literarischen Werks, sein Kern meistens nicht übertragbar ist und seinerseits wiederum die irrationale Dimension des Films tötet.Wenn wir trotzdem die Übertragung eines literarischen Inhalts in den filmischen wünschen, dann sind wir zu einer endlosen Serie komplizierter Transformationen gezwungen, die im Verhältnis zur Anstrengung meistens nur wenig oder gar nichts bringen. Ich weiß, wovon ich spreche, nachdem man meine Filme der so genannten literarischen Beurteilung unterzogen hat. Das macht so viel Sinn, als wollte man einen Musikkritiker eine Gemäldeausstellung kritisieren lassen oder einen Fußballreporter eine Theaterpremiere. Der einzige Grund dafür, dass jeder meint, er sei in der Lage, sich über einen Film zu äußern, liegt im Unvermögen des Films, sich als Kunstform zu behaupten, im Fehlen einer Nomenklatur, in seiner schrecklichen Jugendlichkeit im Vergleich zu den übrigen Künsten, in seiner nicht zu übersehenden Gebundenheit an ökonomische Realitäten und darin, dass er an das Gefühlsleben appelliert. Ich selbst hatte keinerlei schriftstellerische Ambitionen. Ich will nicht Romane,Novellen, Essays, Biographien oder Aufsätze über verschiedene Themen schreiben. Ich will nicht einmal Theaterstücke schreiben. Meine Lust ist es, Filme zu machen über Zustände, Spannungen, Bilder, Rhythmen und Charaktere, die ich in mir habe und die auf diese oder jene Art aktuell sind für mich. Der Film und sein komplizierter Geburtsvorgang ist meine Methode, mit meinen Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Ich finde es demütigend, wenn man mein Opus, das ein Film ist, als Buch beurteilt. Das Drehbuchschreiben ist also eine schwere Zeit, aber natürlich gesund,weil sie mich zur logischen Überprüfung der Haltbarkeit meiner Idee zwingt. Dabei kann es zu schweren Konflikten kommen. Es kommt zur Zerreißprobe zwischen meinem Bedürfnis, einen filmisch assoziativen Ausdruck für eine komplizierte Situation zu suchen, auf der einen Seite und meinen Ansprüchen an absolute Klarheit auf der anderen.Weil ich mein Werk nicht zur eigenen Erbauung oder zu der einiger Weniger erschaffe, sondern zur Unterhaltung eines Millionenpublikums, siegt meistens der zuletzt genannte Imperativ. Gleichwohl prüfe ich manchmal die riskantere Alternative und es hat sich gezeigt, dass das Publikum auch eine avancierte, irrationale Linienführung erstaunlich hellhörig aufnimmt...
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