Grün, Rot, Blau –drei Farben bestimmen die Abbildungen
Von Rem Koolhaas. Auszug aus dem Buch ' Städte der Welt'
Dieses Buch lässt sich unmöglich ohne ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht und des Neids lesen oder auch nur anschauen: Ehrfurcht gegenüber einer kleinen Gruppe von Herausgebern, Stechern und Augenzeugen und ihrer Fähigkeit, eine unglaubliche Menge an Wissen und Informationen über mehr als 450 Städte zusammenzustellen, einschließlich ihrer Stadtpläne, ihrer Geschichte, ihrer topografischen Lage, ihres raison d'être, ihrer Monumente und Gebräuche, die sich zu einem umfassenden Porträt der Welt in nur sechs Bänden zusammenfügen. Jede Ansicht basiert auf einer gattungsspezifischen Darstellung von Haus, Gasse, Straße, Platz, Kirche, Palast und Festung. In einer schlichten Effizienz, die heute unvorstellbar ist, offenbart jedes Porträt unmittelbar die besonderen Eigenschaften der einzelnen Ortschaft. Ein halbes Jahrtausend später sind unsere Städte monströs geworden: zu ausufernd, um dargestellt zu werden, unendlich kompliziert, weitestgehend dysfunktional. Und doch klammern wir uns an Brauns zuversichtliche Motti auf dem Frontispiz: "Gemeinschaft, Sicherheit,Wohlstand, Harmonie …".
Drei Farben bestimmen die Abbildungen: Grün für das Land, Rot für die Stadt und Blau für das Wasser,mit seinen Möglichkeiten der Verbindung und des Austausches. Die Hälfte der Städte ist von Land umgeben, oft in idyllischer Lage, die andere Hälfte öffnet sich zum Meer hin. Vielleicht bezeichnet das Jahr 1576 einen Übergang von einer feudal-religiösen Ordnung hin zu einer merkantilen, marktorientierten Modernität. Die Stabilität der Binnenstädte gegenüber der Fluidität der Küstenstädte: eine dunkle Vorahnung des zukünftigen Chaos', welches die Zentrifugalkräfte der Globalisierung entfesseln werden. Fünfhundert Jahre später wäre Rot die einzige verbleibende Farbe.
Wie in der heutigen Zeit, verfolgt das Werk konsequent den Einfluss der Religion auf die städtische Kultur. Während die Reformation eine Herausforderung für die bisher herrschende Harmonie bedeutet, leben in Damaskus christlicher Mythos und die islamische Kultur Seite an Seite im Zustand noch immer fruchtbaren Austausches. Aber Braun ist sich allzu bewusst, dass verschiedenartige Wertvorstellungen Städte auseinanderreißen können.
Dieses Buch lässt sich unmöglich ohne ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht und des Neids lesen oder auch nur anschauen: Ehrfurcht gegenüber einer kleinen Gruppe von Herausgebern, Stechern und Augenzeugen und ihrer Fähigkeit, eine unglaubliche Menge an Wissen und Informationen über mehr als 450 Städte zusammenzustellen, einschließlich ihrer Stadtpläne, ihrer Geschichte, ihrer topografischen Lage, ihres raison d'être, ihrer Monumente und Gebräuche, die sich zu einem umfassenden Porträt der Welt in nur sechs Bänden zusammenfügen. Jede Ansicht basiert auf einer gattungsspezifischen Darstellung von Haus, Gasse, Straße, Platz, Kirche, Palast und Festung. In einer schlichten Effizienz, die heute unvorstellbar ist, offenbart jedes Porträt unmittelbar die besonderen Eigenschaften der einzelnen Ortschaft. Ein halbes Jahrtausend später sind unsere Städte monströs geworden: zu ausufernd, um dargestellt zu werden, unendlich kompliziert, weitestgehend dysfunktional. Und doch klammern wir uns an Brauns zuversichtliche Motti auf dem Frontispiz: "Gemeinschaft, Sicherheit,Wohlstand, Harmonie …".
Drei Farben bestimmen die Abbildungen: Grün für das Land, Rot für die Stadt und Blau für das Wasser,mit seinen Möglichkeiten der Verbindung und des Austausches. Die Hälfte der Städte ist von Land umgeben, oft in idyllischer Lage, die andere Hälfte öffnet sich zum Meer hin. Vielleicht bezeichnet das Jahr 1576 einen Übergang von einer feudal-religiösen Ordnung hin zu einer merkantilen, marktorientierten Modernität. Die Stabilität der Binnenstädte gegenüber der Fluidität der Küstenstädte: eine dunkle Vorahnung des zukünftigen Chaos', welches die Zentrifugalkräfte der Globalisierung entfesseln werden. Fünfhundert Jahre später wäre Rot die einzige verbleibende Farbe.
Wie in der heutigen Zeit, verfolgt das Werk konsequent den Einfluss der Religion auf die städtische Kultur. Während die Reformation eine Herausforderung für die bisher herrschende Harmonie bedeutet, leben in Damaskus christlicher Mythos und die islamische Kultur Seite an Seite im Zustand noch immer fruchtbaren Austausches. Aber Braun ist sich allzu bewusst, dass verschiedenartige Wertvorstellungen Städte auseinanderreißen können.
