Formgeber
Jean Nouvel by Jean Nouvel. Complete Works 1970-2008. Auszug aus Philip Jodidios Essay
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Architekt, Bauender oder Träumer? Raum schaffen, einen Platz zum Leben, im urbanen Chaos ein Zeichen setzen, das nicht der Spekulation dient oder in der endlos gleichen Banalität untergeht? Sich in eine bestehende Umgebung einpassen oder etwas Einzigartiges schaffen und damit signalisieren, dass es einigen gelingt, den Versuchungen moderner Konformität zu widerstehen? Theoretisch sind dies Optionen, die ein kreativer Architekt hat. Oft ist der Druck jedoch so stark, dass sich auch standhafte Naturen beugen und das tun,was man von ihnen erwartet. Und der Stil? Viele Epochen wurden durch einen bestimmten Stil geprägt.Widersetzte sich ein Architekt diesem Stil, setzte er seinen Ruf aufs Spiel. Aber genau diejenigen, die es wagten, sich zu widersetzen, änderten die Richtung, in der sich die Architektur – ein Bereich, in dem unter günstigen Umständen Kunstwerke entstehen – weiterentwickelte. Diese wenigen Architekten sind die Formgeber. Sie sind die Anführer, sie brechen die Regeln und sie werden schließlich von ihren Kollegen und der breiten Öffentlichkeit verstanden. Auch wenn man ab und zu den Eindruck hat, die Welt würde von computergenerierten "Blobs" und anderen technologischen Erscheinungsformen überschwemmt, gibt es momentan sicher keine dominierende Stilrichtung.Wenn, wie heutzutage, "neu" gleichbedeutend mit "vergänglich" ist, ist das Bedürfnis nach authentischen Formen noch größer als in Zeiten, in denen ein bestimmter Stil vorherrscht.
Auf typisch französische Art und Weise treibt Nouvel Ideen auf die Spitze, ohne dabei gewisse Grenzen zu überschreiten
Jean Nouvel ist ein Formgeber. Vielleicht ist es zu früh, um ihn in das Pantheon der größten modernen Architekten zu erheben, durch sein außergewöhnliches Gespür für das jeweils Angemessene und seine Originalität unterscheidet er sich jedoch von seinen Zeitgenossen.Nouvel, Jahrgang 1945, befindet sich jetzt in der Lebensphase, in der ein Architekt Anerkennung erfährt. Einfach gesagt, dauert es länger ein Gebäude zu errichten, als ein Bild zu malen oder eine Skulptur zu schaffen. Und wenn es um viel Geld geht, vertrauen Bauherren lieber einem bekannten als einem unbekannten Architekten. Mit dem Institut du Monde Arabe in Paris (1987, mit Architecture Studio) und der Fondation Cartier (Paris, 1995) und später dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern (2000), dem Justizgebäude in Nantes (2000) und der Torre Agbar (Barcelona, 2005) hat Nouvel den Status eines regional bekannten Architekten hinter sich gelassen und gehört nun zu dem illustren kleinen Kreis der internationalen Stars. Er entwirft ein Hochhaus in Tokio und ein Museum für Rio und ist mit seinem schwarzen Hut und seiner robusten äußeren Erscheinung leicht zu erkennen. Dabei basiert sein Äußeres wohl eher auf Schüchternheit als auf Anmaßung und natürlich hat es, im Gegensatz zu seinem reichen und oft überraschenden architektonischen Vokabular, wenig zu sagen. Im Idealfall schafft er es, auf dem schmalen Grat zwischen einer kraftvollen Geste und einem funktionalen Entwurf zu balancieren. Und auch wenn es in einigen seiner frühen Gebäude klaustrophobische oder "brutale" Räume gibt, sind seine Bauten nur sehr selten schrill. In Frankreich brüstet man sich gerne damit, "kartesianisch", das heißt logisch zu denken. Das ist ein Mythos – oder ein Fall von Wunschdenken.
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Architekt, Bauender oder Träumer? Raum schaffen, einen Platz zum Leben, im urbanen Chaos ein Zeichen setzen, das nicht der Spekulation dient oder in der endlos gleichen Banalität untergeht? Sich in eine bestehende Umgebung einpassen oder etwas Einzigartiges schaffen und damit signalisieren, dass es einigen gelingt, den Versuchungen moderner Konformität zu widerstehen? Theoretisch sind dies Optionen, die ein kreativer Architekt hat. Oft ist der Druck jedoch so stark, dass sich auch standhafte Naturen beugen und das tun,was man von ihnen erwartet. Und der Stil? Viele Epochen wurden durch einen bestimmten Stil geprägt.Widersetzte sich ein Architekt diesem Stil, setzte er seinen Ruf aufs Spiel. Aber genau diejenigen, die es wagten, sich zu widersetzen, änderten die Richtung, in der sich die Architektur – ein Bereich, in dem unter günstigen Umständen Kunstwerke entstehen – weiterentwickelte. Diese wenigen Architekten sind die Formgeber. Sie sind die Anführer, sie brechen die Regeln und sie werden schließlich von ihren Kollegen und der breiten Öffentlichkeit verstanden. Auch wenn man ab und zu den Eindruck hat, die Welt würde von computergenerierten "Blobs" und anderen technologischen Erscheinungsformen überschwemmt, gibt es momentan sicher keine dominierende Stilrichtung.Wenn, wie heutzutage, "neu" gleichbedeutend mit "vergänglich" ist, ist das Bedürfnis nach authentischen Formen noch größer als in Zeiten, in denen ein bestimmter Stil vorherrscht.
Auf typisch französische Art und Weise treibt Nouvel Ideen auf die Spitze, ohne dabei gewisse Grenzen zu überschreiten
Jean Nouvel ist ein Formgeber. Vielleicht ist es zu früh, um ihn in das Pantheon der größten modernen Architekten zu erheben, durch sein außergewöhnliches Gespür für das jeweils Angemessene und seine Originalität unterscheidet er sich jedoch von seinen Zeitgenossen.Nouvel, Jahrgang 1945, befindet sich jetzt in der Lebensphase, in der ein Architekt Anerkennung erfährt. Einfach gesagt, dauert es länger ein Gebäude zu errichten, als ein Bild zu malen oder eine Skulptur zu schaffen. Und wenn es um viel Geld geht, vertrauen Bauherren lieber einem bekannten als einem unbekannten Architekten. Mit dem Institut du Monde Arabe in Paris (1987, mit Architecture Studio) und der Fondation Cartier (Paris, 1995) und später dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern (2000), dem Justizgebäude in Nantes (2000) und der Torre Agbar (Barcelona, 2005) hat Nouvel den Status eines regional bekannten Architekten hinter sich gelassen und gehört nun zu dem illustren kleinen Kreis der internationalen Stars. Er entwirft ein Hochhaus in Tokio und ein Museum für Rio und ist mit seinem schwarzen Hut und seiner robusten äußeren Erscheinung leicht zu erkennen. Dabei basiert sein Äußeres wohl eher auf Schüchternheit als auf Anmaßung und natürlich hat es, im Gegensatz zu seinem reichen und oft überraschenden architektonischen Vokabular, wenig zu sagen. Im Idealfall schafft er es, auf dem schmalen Grat zwischen einer kraftvollen Geste und einem funktionalen Entwurf zu balancieren. Und auch wenn es in einigen seiner frühen Gebäude klaustrophobische oder "brutale" Räume gibt, sind seine Bauten nur sehr selten schrill. In Frankreich brüstet man sich gerne damit, "kartesianisch", das heißt logisch zu denken. Das ist ein Mythos – oder ein Fall von Wunschdenken.
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Jean Nouvel by Jean Nouvel. Complete Works 1970-2008
Hardcover, 2 Vol. in Plexiglass Box, 29 x 36.8 cm (11.4 x 14.5 in.), 898 Seiten
$ 700.00
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Die Karriere des Pritzker-Preisträgers – von seinen Anfängen bis heute. Limitierte Auflage von 1.000 signierten und nummerierten Exemplaren in einem transparenten und von Jean Nouvel gestalteten Plexiglasschuber





